5 gute Gründe, diesen Film zu sehen: Candelaria

Gestern war ich nach langer Zeit wieder einmal im Kino.

Candelaria

– ein Name, der nicht zufällig an das Wort Kandelaber erinnert, das viele Menschen gar nicht mehr kennen. Kandelaber für Kronleuchter. Eine Deckenlampe spielt übrigens tatsächlich eine Rolle in diesem intimen Duett zweier fabelhafter Schauspieler: der 86jährigen Veronica Lynn und dem 81jährigen Alden Knighth. Ihr Licht nämlich taucht den ganzen Film in ein Flackern, weil der Strom im Kuba dieser Jahre immer einmal wieder abgestellt wird. Zum unzuverlässigen Licht kommt im Hintergrund die Radiostimme des alten Fidels – überraschend tonlos und hoch – der mit unerschütterlichem Pathos die Errungenschaften der Revolution preist. Die beiden Protagonisten kommentieren dies nur sanft ironisch.

Das Cuba jener Jahre – der späten Achtziger und frühen Neunziger des vergangenen Jahrhunderts – habe ich auch erlebt. Unvergessen das sofortige Erkalten meines Gesprächspartners, als bei einem Mujito die Rede auf Gorbatschow kam, den wir Deutschen positiv, die Cubaner aber negativ bewerteten, hatte er doch gerade durch das Aussetzen der Zuckerkäufe die Lebensbedingungen in Cuba verschlechtert. Vieles erkannte ich wieder – die Bars voller (leerer) Flaschen mit angesagten Alkohollabels, die Schlangen vor jedem Kiosk und Laden, selbst für ein Tütchen Eis, die klappernden alten Autos und Fahrräder, die Gemüsepflanzungen (im Film: die zu jener Zeit verbotene Hühnerhaltung) auf den Balkons, das mehr oder weniger schwarz Geschäftemachen auf der Maleconmauer bei strahlendem Licht und bewegtem Meer.

Zurück zu Candelaria, der verspielten und gleichzeitig realistischen Heldin des Film. Durch Zufall gerät das Ehepaar an eine moderne Videokamera. Neugierig auf die Technik, weil im alten Cuba nicht verwöhnt mit technischen Novelties, spähen sie durch die Kameralinse.

 

Der nun doppelt gebrochene Blick des Kinobesuchers sieht jetzt ein altes Paar, das sich die düstere (Strom fällt aus) Wirklichkeit spielerisch verschönt. Die Koketterie der Frau, die in den Fünfzigern groß geworden ist, wird wiederbelebt, der alte Mann spielt sich selbst als jungen, feschen Kavalier, der er einmal gewesen sein muss. Das ist anrührend und sexy zugleich.

Man kann es gut aushalten, lange (schöne, ruhige Kameraführung!) in diese gezeichneten Gesichter zu blicken – beide sind schöne Menschen. Dass der Tod sich dann plötzlich (inclusive einer veritablen Überraschung) heranschleicht – das hätte ich nicht haben müssen. Man weiß es ja: In diesem Alter kann er jederzeit anklopfen.

Tipp: Candelaria. Empfehlenswert!

  • Cuba realistisch in einer eng begrenzten historischen Epoche
  • mutig: alte Menschen als Protagonisten
  • Kamaraführung und Beleuchtung raffiniert
  • Intimität zwischen Liebenden gelungen inszeniert
  • stimmiges Plot, ruhig, aber nicht langweilig

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