"Ein Text ist nicht schon deshalb gut, weil er (a) korrekt und (b) von mir ist. Mit perfekter Grammatik lassen sich die scheußlichsten Sätze zimmern.“
Diese beiden Sätze aus der Einleitung charakterisieren die Stoßrichtung, die Wolf Schneider, der Nestor journalistischer Formulierungskunst, seiner neuesten Kampfschrift gegeben hat.
Er kämpft wie schon viele Jahre für die Verständlichkeit von Texten, gegen Vorurteile und üble Gewohnheiten, gegen Adjektive, gegen Anglizismen und gegen Schachtelsätze.
Und er ist nicht nur ein guter Ratgeber in Sachen deutscher Sprache, sondern er unterhält auch. Es macht Freude, sich von ihm belehren zu lassen.
Und wenn man einmal inhaliert hat, dass im Hauptsatz die Kraft liegt und viersilbige Wörter ebenso verdächtig sind wie Schachtelsätze, dann kann man nicht mehr zurück in die sprachliche Selbstzufriedenheit, der man sich vielleicht schon jahrelang hingegeben hat. Auch dieser Satz war übrigens viel zu lang.
Wolf Schneider, Deutsch für junge Profis. Erschienen bei Rowohlt in Berlin. Im März 2010.
Ich kann nur warnen. Immer wieder warnen davor, sich dem Diktat eines alten Mannes zu unterwerfen, dessen Ratschläge auf keiner anderen Grundlage als seinem persönlichen Stilempfinden beruhen.
Einige Ratschläge zum Schreiben sind plausibel, aber sein Verständnis von Sprache ist von fragwürdiger Qualität. Wenn er schon Dinge besser weiß als der Duden, dann ist es nicht weit bis zu einem Deutsch, dass nur noch seine Generation goutiert, nicht aber Leser, die sich eines aktuell gesprochenen Deutsches befleißigen. Wichtiges, fünfsilbiges Wort in diesem Zusammenhang: Überheblichkeit.
Nicht ganz zum Thema verständliche Sprache, aber sehr kritisch zum Thema Schneider: Seid gegrüßt euer Diskurshoheit