Pat, Carol, Nina, Emma und ich

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Patricia Highsmith ist ja nicht nur mein literarisches Vorbild, sondern auch das vieler anderer (weiblicher?) Krimiautoren.

Patricia Highsmith

Highsmith

Was ihre Texte so besonders macht, ist schwer zu beschreiben. In den Fünfzigern hat sie einen Roman geschrieben, dessen Thema damals absolut tabu war: Lesbische Liebe. Dementsprechend schwer war es auch, das Werk zu veröffentlichen. Ungeachtet meiner tiefen Bewunderung dieser Autorin gegenüber fand ich das Buch The Price of Salt (deutsch Carol, erst 1990 im Diogenes Verlag erschienen) nicht besonders gut. Jetzt ist es verfilmt worden.

Carol – der Film

Cate

Natürlich musste ich das sofort ansehen – zumal eine meiner Lieblingsschauspielerinnen, Cate Blanchett, die Hauptrolle bekommen hatte. Cate ist Carol, die verwöhnte und auch einigermaßen rücksichtslose gut situierte amerikanische Hausfrau, die sich in ein Ladenmädchen verliebt. Natürlich macht das Setting in den Fünfzigern Spaß, natürlich ist der Film liebevoll und sorgfältig ausstaffiert und in Szene gesetzt: Autos, Mode, Spielzeug, Christbaumschmuck, etc. Und dennoch bleibt die Story so schwach wie sie tatsächlich ist – keine Entwicklung, keine (echte) Lebendigkeit der Figuren, eine gestelzte überschminkte Cate-Carol… eine Liebe zum Kind, die zuerst superwichtig und später nur noch ein Achselzucken wert ist… Schwamm drüber. Ein Buch, das nicht richtig gut ist, kann wahrscheinlich auch keinen Film hervorbringen, der richtig gut ist.

Harriet Lane: Her – das Buch

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Richtig gut ist aber ein Roman, den ich zur gleichen Zeit gelesen habe und der den Highsmithschen Zauber tatsächlich kann: Harriet Lanes Roman Her, der auf Deutsch Nichts bleibt vergessen heißt und im Verlag insel taschenbuch erschienen ist. Die Autorin schafft das, was Pat Hishsmith immer fertig gebracht hat: Nichtige Alltagsdinge wie Kochen, Saubermachen, Kinderhüten so mit Spannung aufzuladen, dass man Seite um Seite liest, obwohl sich nicht wirklich etwas ereignet. Die Buchstaben saugen einen hinein ins Papier, auf dem das ausgebreitet wird, was man selbst tagtäglich erlebt und wie im richtigen Leben wartet man auf den einen Augenblick, der alles verändert. Und dann kommt er und, soviel darf ich verraten, bei Harriet Lane überrascht er durchaus (und das obwohl man diesem einen Moment, dieser einen Lösung und Entladung (gefühlt) immer ganz nah war). Nina und Emma heißen die beiden Protagonistinnen, die einander da umschleichen wie zwei gefallene Engel. Dass das Ganze unglaublich filmbar geschrieben ist, war sicher Absicht: Eine ganz große Rolle spielen Leere (ein starchitektonisches Ferienhaus) und Fülle (eine zu kleine vollgerümpelte Familienwohnung) und diese beiden Gegensätze hat Kino doch immer gekonnt! Warten wir also auf:

Nina und Emma – der nächste Film

Damit Ihnen aber die Zeit bis dahin nicht zu lang wird, sehen Sie hier den Trailer von Carol.

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