Bojen im Büchermeer
Samstag, Mai 15th, 2010
"Ein Text ist nicht schon deshalb gut, weil er (a) korrekt und (b) von mir ist. Mit perfekter Grammatik lassen sich die scheußlichsten Sätze zimmern.“
Diese beiden Sätze aus der Einleitung charakterisieren die Stoßrichtung, die Wolf Schneider, der Nestor journalistischer Formulierungskunst, seiner neuesten Kampfschrift gegeben hat.
Er kämpft wie schon viele Jahre für die Verständlichkeit von Texten, gegen Vorurteile und üble Gewohnheiten, gegen Adjektive, gegen Anglizismen und gegen Schachtelsätze.
Und er ist nicht nur ein guter Ratgeber in Sachen deutscher Sprache, sondern er unterhält auch. Es macht Freude, sich von ihm belehren zu lassen.
Und wenn man einmal inhaliert hat, dass im Hauptsatz die Kraft liegt und viersilbige Wörter ebenso verdächtig sind wie Schachtelsätze, dann kann man nicht mehr zurück in die sprachliche Selbstzufriedenheit, der man sich vielleicht schon jahrelang hingegeben hat. Auch dieser Satz war übrigens viel zu lang.
Wolf Schneider, Deutsch für junge Profis. Erschienen bei Rowohlt in Berlin. Im März 2010.



