Sinnlich sein, sich sinnlich fühlen, sinnlich werden – No 19

Sinnlich sein. Sich sinnlich fühlen. Sinnlich werden. Was ist das? Wie fühlt es sich an? Und wie wird es ausgelöst? Wir suchen nach Antworten und befragen Freunde und Bekannte. Was sie uns geantwortet haben, geben wir nicht wörtlich wieder, sondern sinngemäß.

Sinnlich mache Anneliese K. aus W., so sagt sie, der Geruch von Sonnenöl.

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Anneliese gehört nach eigenem Bekunden zu den älteren Semestern, deshalb sei für sie Tiroler Nussöl immer noch der Inbegriff aller Sonnenschutzmittel. Sie habe sich ganz und gar damit eingeölt, damals in den Fünfzigern und Sechzigern, und nicht Schutz gewollt, sondern eher Sonnenverstärkung. Damals galt ein brauner Teint noch viel und man legte sich sogar Alufolie um den Hals, damit die Sonne stärker reflektierte… aber nicht die Wirkung sein für sie heute wichtig, sondern der Geruch. Dann denke sie sofort ans Meer, an Italien, an Sand und Strand. Dazu ein wenig Meeresrauschgeräusch und vielfältiges Kinderlachen und sie fühle sich auf der Stelle wie im Urlaub. Ganz egal, wie das Wetter draußen sei.

Ach, Anneliese! Wie wahr das ist…! Und wie gut sich die Sonnen-Unschuld von damals angefühlt hat! Danke für diese Erinnerung, die wir absolut nachvollziehen können.

>und hier gehts zu unseren Lektüren, die auch gute Gefühle vermitteln

Wir sammeln die Antworten, die uns auf diese Frage gegeben wurden, virtuell oder mündlich: Was macht Sie sinnlich?

Gesichter aus Japan

Im Anschluss an meinen Korea-Besuch ging es nach Tokyo – ein bisschen „Japan“ schnuppern. Tokyo ist ganz anders als Seoul: Weniger rasant, weniger neu, weniger westlich, stiller. Es gibt riesige Stadtteile, die nur zweistöckige Häuser haben – undenkbar in Koreas neuer Hauptstadt (oder jedenfalls dort, wo ich gewesen bin). Es gibt schmalste Gassen mit verwinkelten Altbauten, es gibt viele alte Menschen (die in Korea nirgendwo zu sehen waren), es gibt Hunde, kleinste Kneipchen und Trinkstuben (Izakayas) und Restaurants und Schmuddelecken. Hier ein paar Bilder von Menschen, die mir begegnet sind.

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Touristen wie ich – aus Südkorea.Oder China?

Ja, Kimonos werden tatsächlich noch getragen

Ältere Damen im Kimono, die vielleicht eine Hochzeitsgesellschft verlassen haben
Ältere Damen im Kimono, die vielleicht eine Hochzeitsgesellschaft verlassen haben

Aber modernen Streetstyle gibt es natürlich auch

chicer Streetstyle
chicer Streetstyle der wohlhabenden jüngeren Tokyoterinnen

Kleines Päuschen
Kleines Päuschen vor Blumenrabatte

Ganz wichtig: Uniformen

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Eine große Vorliebe für Uniformen aller Art – hier Schülerinnen im Park

und hier Kindergartenkinder
und hier Kindergartenkinder

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Eine, die sich selbst sehr schön findet (und wir sie auch)

Die vielen U-Bahn-Linien: ein Quell für Beobachtungen

ein müder U-Bahnfahrer
ein müder U-Bahnfahrer

> Hat Ihnen die kleine Reise nach Tokyo gefallen? Nach Russland gehts hier entlang!

Der Entzückblick vom Juni

Die Aufforderung zur Erstellung eines Entzückblicks von der Checkerin hat mir so gefallen, dass ich ab jetzt jeden Monat einen solchen Entzückblick zeigen will. Er soll uns sagen, wie schön trotz allem die Welt doch ist und uns an Dinge erinnern, die uns gut getan haben.

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KOREA . DER SÜDEN . BUDDHISMUS: AN EINEM SAMSTAG IM MAI: BUDDHAS GEBURTSTAG. WÜNSCHE, DIE AUF ZETTEL GESCHRIEBEN UND VIA LUFT IN DEN HIMMEL FLATTERN MÖGEN . UND DORT ERFÜLLT WERDEN SOLLEN . ZUVERSICHT. NAIVER WUNDERGLAUBEN . KIRMES . KINDERSPASS . ALLES WIRD GUT .

< hier gehts zu unserer irdischen Luftpost, auch voller schöner Sachen, versprochen!

 

Briefwechsel

 

Ein großes Thema. Menschen, die sich regelmäßig schreiben … gibt es die heute noch? Die Wochenzeitung die ZEIT hat eine

Sammlung

veröffentlicht von Menschen, die sich schreiben. Stöbern Sie ruhig ein bisschen darin herum. Es ist hochinteressant zu studieren, was Menschen sich zu sagen haben – schriftlich und über lange Zeiträume hinweg…

Briefe aus der Todeszelle, Briefe von Prince Charles, Briefe von Nord- nach Südkorea, Briefe von Philosophen, Briefe von Dichtern, von Verfassungsschützern und Sich-dumm-Stellenden…

umarmung

 

> Sie wollen endlich auch Briefe bekommen? Na, bitte, hier gehts zu PostFürSie!

Die Filmkritik: Vor der Morgenröte

Immer, wenn mir ein Film besonders gut gefallen hat, so möchte ich ihn hier vorstellen. Jetzt ist es mir wieder einmal so ergangen:

Der Titel stammt aus Stefan Zweigs Abschiedsbrief, den er, als er zusammen mit seiner Frau Selbstmord beging in Petropolis/Brasilien, hinterlassen hat.

Was den Film so besonders macht ist sein Verzicht auf das Erzählen einer schlüssigen Geschichte. Als Zuschauer hat man nicht das Gefühl, eine polierte Story serviert zu bekommen, die stringent auf das Ende hin komponiert wurde. Man hat eher den Eindruck, zufällig Zeuge unterschiedlicher Situationen geworden zu sein, deren Zusammenschau eine (oder mehrere) Schlussfolgerung(en) nahelegt. Die werden für jeden anders ausfallen, je nachdem, wie viel eigene Biografie man gewillt ist hineinzustecken. Der Filmanfang suggeriert eigentlich etwas anderes: Mit liebevoller Detailfreude wir da ein Tisch inszeniert, an dem der Dichter (damals einer der akzeptiertesten der ganzen Welt) gefeiert werden wird. Das ist Interpretation, hingezirkelt. Aber danach ist Schluss damit.  Danach gibt es Szenen, die wir belauschen und beschauen dürfen; ohne Erklärung.

(An der Anfangsszene ist nur eines ärgerlich: Dass die Untertitel in Weiß vor einer weißen Tischdecke kaum zu sehen sind – ein technischer Lapsus, der nicht passieren dürfte!)

Was mich berührt hat, ist die Geschichte eines Mannes, der eigentlich nur in Ruhe gelassen werden will, um seine eigentliche Mission so gut als möglich auszufüllen: Zu schreiben. Zeitzeuge zu sein („Was ich mir wünsche ist ein Ort auf dem Land. Ein Schreibtisch.“).

Zeitzeuge ist er, unweigerlich wird er hineingezogen in das Rettungsbusiness, das ihm durch seine Prominenz auf der anderen Seite des Atlantiks zufällt und dem er sich guten Gewissens nicht entziehen kann. Am Ende erfüllt ihn eine unendliche Müdigkeit (und Depression): Seine Welt geht unter, helfen kann er nicht wirklich, ruhig nach Worten suchen auch nicht mehr. Draußen vor der Tür das rohe, das erregende, das fremde Brasilien. Für ihn die Zukunft, an der er nicht mehr teilhaben mag. Was aber doch sehr deutlich wurde: Er war, lange vor allen anderen, ein echter Europäer. (Und das von einem, der zwei blutige Weltkriege, in denen sich Europäer gegenseitig massakriert haben, erleben musste.)

Was mich ebenso berührt hat wie das Schicksal des Schriftstellers ist das seiner Ehefrauen; besonders das der zweiten, Lotte (Charlotte Altmann – im wirklichen Leben; gut gespielt von Aenne Schwarz).

Sie war seine Sekretärin (das wird im Film nicht erzählt) und sie bleibt es irgendwie auch bis zum Schluss. Obwohl sie nicht zuletzt durch seine Schuld schwer an Asthma (?) erkrankt, wendet er sich ihr niemals zu, er bedauert sie nicht, hilft ihr nicht, schützt und stützt sie nicht. Auch im Tod, den sie sicherlich aus eigenem Willen mit zusammen sucht, ist sie ihm nicht einmal eine Erwähnung wert (in seinem Abschiedsbrief).

Auch, wenn Die Welt von Gestern (so der Titel eines seiner wichtigsten Werke) tatsächlich so gewesen sein mag:  Einen (Film-)Mann, dessen Herz und Denken nicht weit genug gewesen ist, um seine Lebensgefährtin zu umfassen, kann ich nicht mögen. Egal, wie groß seine literarischen Verdienste sind.

 

Zum Trailer und zur ZEIT hier.  Zum Inhalt da.  Mehr zu seinem Verhältnis zu den beiden Ehefrauen dort.

>nicht vergessen: Kinokarten einkleben, damit man sich gelegentlich erinnern kann….

Wer wir wirklich sind…

Wer sind wirklich? Sind wir das, was wir glauben zu sein? Ein kleiner Film führt zu großen Überraschungen – Überraschungen, die viel von dem, was uns heute Probleme macht, beseitigen könnten: Fremd sind nicht die anderen, fremd sind wir selbst, wenn man es mal genau betrachtet:

Wir danken Susanne Westpahl herzlich für ihren Newsletter von heute, in dem wir diese Perle gefunden haben. Und wir empfehlen es Ihnen auch dringlich, ihren Newsletter zu abonnieren. Er bietet jeden Mittwoche ein neues Thema (heute: Visionen) und ist immer herzerfrischend, inspirierend und bereichernd. Susanne Westphal sagt:

„Sind Sie der Meinung, auch andere sollten unsere Mittwoch-Mittags-Motivation bekommen? Geben Sie gern den Link zu meiner Website weiter. Ich freue mich, wenn wir dadurch mit noch mehr interessanten Menschen in Verbindung sind.“

Prokrastinieren ist ja ein schönes Wort

für eine schlimme Sache. Oder doch nicht? An einem solchen Regentag wie heute muss es einfach erlaubt sein… mal im Netz zu stöbern, mal alte Briefe wieder zu lesen oder zu schreiben, mal in Büchern zu blättern…

Prokrastinieren nennt man das vornehm. Und einen süßen Erklärfilm gibts dazu auch bei Youtube:

 

Viel Spaß dabei!

Und hier gibt es ein neues Blog zum Thema: Prokrastessa schreibt!

>direkt zu unseren Angeboten für Schlechtwetter!

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Sinnlich sein. Sinnlich werden – No 18

Sinnlich sein. Sich sinnlich fühlen. Sinnlich werden. Was ist das? Wie fühlt es sich an? Und wie wird es ausgelöst? Wir suchen nach Antworten und befragen Freunde und Bekannte. Was sie uns geantwortet haben, geben wir nicht wörtlich wieder, sondern sinngemäß.

Sinnlich macht Kurt L. aus B., so sagt er, der Anblick von Akrobaten. Akrobaten aller Art.

Akrobaten
Akrobaten

Er findet, dass die Kühnheit, die sie ausstrahlen – zum Beispiel Seiltänzer in großer Höhe – sinnlich mache. Er findet auch, dass die Körperbeherrschung und Körperkontrolle, die sie besitzen müssen, sinnliche Reize ausübe, jedenfalls auf diejenigen, die nicht so diszipliniert mit ihrem Körper umgehen könnten. Er liebe Schlangenmenschen und Trapezkünstler, menschliche Pyramiden-Bauer und Zauberer, die in kleinen Boxen verschwinden können. Und Fesselkünstler. Was er hingegen gar nicht leiden könne, das seien Messerwerfer. Das törne ihn auf der Stelle ab.

Interessant, Kurt. Beim Messer ist das Risiko für einen vernunftbetonten Menschen zu hoch, oder? Aber Akrobaten ohne Netz? Man weiß nicht, was da schlimmer oder vielmehr gefährlicher ist…

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Wir sammeln die Antworten, die uns auf diese Frage gegeben wurden, virtuell oder mündlich: Was macht Sie sinnlich?