Cahier Cinema: 45 years

Ich habe ja erzählt, dass wir alle unsere Kinobesuche dokumentieren, indem wir die dazugehörigen Tickets noch am gleichen Abend mittels eines leichten Drucks mit dem Zeigefinger in unser Cahier Cinema einkleben. Das heißt so, weil auf dem Titelblatt Cinema steht. (Stünde da Kunst, würden wir andere Tickets einkleben).

Und die Erinnerung an den gestrigen Abend verleitet uns dazu, eine kleine Kinokritik zu verfassen.

45 Years

Großbritannien 2015. Regie: Andrew Haigh. Drehbuch: Andrew Haigh nach einer Kurzgeschichte von David Constantine Darsteller: Charlotte Rampling, Tom Courtenay, Dolly Wells
 cahier cinema
Wegen Charlotte Rampling bin ich in diesen Film gegangen; sie kann schauspielen wie keine Zweite. Tom Courtenay hatte es da schwer neben ihr, fand ich. Und auch, weil ich Kammerspiele mag, habe ich ihn mir angesehen. Die zugrunde liegende Story ist ebenso still wie gut. Und dennoch kommt man deprimiert heraus – die englische Landschaft ist lähmend, das englische Wetter ebenso, die vom Alter ziemlich zerstörten Gesichter lehren einen das Fürchten vor ebendieser Zukunft, die uns ja alle – sofern man Glück hat – irgendwann einmal erreicht. Schaurig auch die kleine, unauffällige Bettszene. So viel Wahrheit will man gar nicht wissen.
Cahier Cinema
Wie aber kann es sein, dass eine intelligente, coole Frau wie diese Kate Mercer ihr ganzes Leben infrage stellt (von einer törichten Eifersucht ganz zu schweigen), weil sie erfährt, dass ihr Mann vor seiner Ehe ein eigenes Leben geführt hat? Mir hat sich nicht erschlossen, weshalb das so sein sollte… vor allem nicht, nachdem sie erfahren hat, weshalb ihr Mann auf die Frage, ob er die andere geheiratet hätte, wenn das möglich gewesen wäre, schlicht mit “Ja” geantwortet hat. Der Grund, der hier nicht verraten werden soll, ist glasklar und völlig akzeptabel.
ein Notizheft mit Schuber
Warum also diese Seelenqual in einem sowieso schon schwierigen Lebens und Ehephase, die nur Tapfere fröhlich meistern können?

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