Mit Geschichten ans Krankenbett?

Im Rahmen der gegenseitigen Blogbeitragsunterstützung haben die Mitglieder des Texttreffs einander Blogbeiträge zu Weihnachten geschenkt: Dieser Artikel hier wurde mir von Textine Silke Jäger gespendet; ganz herzlichen Dank dafür, Silke! Wir fanden beide, dass der Inhalt zum Gedanken des Care Paketes passt: Hilfe in Not!

Mit Geschichten ans Krankenbett – nett, gefährlich oder hilfreich?

Wer krank ist, dem fehlt es nicht nur an Gesundheit, sondern oft auch an hilfreichen Informationen. Viele Fragen tauchen auf:

„Wie kam es dazu?“, „Wie geht es weiter?“, „Was kann ich tun?“.

Medizin und Wissenschaft antworten auf diese Fragen (zumeist) in logisch-wissenschaftlicher Weise: Man stützt sich auf Theorie und Empirie, hat Zahlen zur Hand und Wahrscheinlichkeiten. Harte Daten eben, die Sicherheit geben sollen – jedoch häufig nicht können.

Wer schon einmal ernsthaft krank war, kennt vielleicht das Phänomen aus eigener Anschauung: Man hört oder liest eine Geschichte, in der ein Leidensgenosse oder eine Leidensgenossin geheilt wurde und schon schöpft man neuen Mut und hat mehr Energie, die anstrengende Talsohle zu durchschreiten. Interessanterweise selbst dann, wenn die harten Daten nichts Gutes verheißen, die Heilungschancen objektiv betrachtet gering sind.

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Sollte man also am besten dazu übergehen, medizinische Fakten in positive Erzählungen von Heilung und Gesundwerden zu verpacken und wissenschaftliche Erkenntnisse zurückhaltender zu kommunizieren?

Gute Gründe für Geschichten

In einem Artikel , der 2014 in der Zeitschrift Proceedings oft the National Acadamy of Science of the United States of America (PNAS) erschienen ist, trägt der Journalist und Biomediziner Michael F Dahlstrom, Professor an der Iowa State University, zusammen, wie effektiv die Kommunikationsform Storytelling ist, wenn es um die Vermittlung von wissenschaftlichen Inhalten an Laien geht.

Sein Fazit fällt zwiespältig aus.

Denn obwohl sich der eingangs beschriebene positive Effekt des Geschichtenerzählens belegen lässt, heißt das im Umkehrschluss nicht, dass harte Fakten am besten immer in unterhaltsame Erzählungen gepackt werden sollten. Aber, so legt der Artikel nahe, es gibt gute Gründe unter bestimmten Umständen die Kraft des Storytelling zu nutzen. Drei einfache Gründe sind:

  1. Geschichten liefern Beispiele, die leichter zu verstehen sind.
  2. An Informationen, die in Geschichten verpackt sind, kann man sich leichter erinnern.
  3. Geschichten können schneller gelesen werden als medizinische Fakten.

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Orientierungshilfe durch Storytelling

Unser Gehirn bevorzugt Geschichten aber nicht deshalb, weil sie die Dinge vereinfachen – im Gegenteil: Häufig sind die in Geschichten enthaltenen Informationen sehr komplex, da sie in mehreren Schichten präsentiert werden. Neben den medizinischen Fakten werden zusätzlich kulturelle und soziale Erfahrungen und Erwartungen transportiert – und liefern damit umfassende Orientierung. Denn auch, wenn eine Einzelgeschichte niemals vollständige medizinische Informationen enthalten kann, so stellt sie mehrere Möglichkeiten vor, wie die Zukunft aussehen kann – je nachdem, welchen Weg man geht und welche Wendung die Ereignisse nehmen. Sie hilft damit jedem kranken Menschen, das eigene Handeln zu planen. Die Selbstwirksamkeitserwartung  wird gestärkt, was sich wiederum positiv auf den Heilungsprozess auswirken kann.

Geschichten über Heilung sind also ermutigend – wie Untersuchungen zeigen – sogar in besonderem Maße. Dabei ist noch nicht einmal entscheidend, dass es sich um wahre Geschichten handelt, auch fiktionale Erzählungen wirken. Wie kann das sein?

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Immer stimmt nie

Im Gegensatz zu logisch-wissenschaftlichen Informationen spielt es bei Geschichten keine Rolle, ob die Fakten stimmen. Wichtig ist, dass die Story einer inneren Logik folgt. Nicht der Wahrheitsgehalt überzeugt, sondern der Wahrhaftigkeitsgehalt. Die Kraft speist sich nicht aus dem, was gesagt wird, sondern wie es gesagt wird. Und das ist zugleich die Schwäche des Storytelling. Denn man kann sich gut vorstellen, wie leicht Geschichten dazu benutzt werden können, Menschen zu manipulieren.

Fazit: Immer dann, wenn mit Geschichten Menschen dazu gebracht werden sollen, einen vorgegebenen Weg zu gehen, ist Vorsicht angebracht. Im Gegensatz dazu sind Geschichten eine wunderbare Hilfe, wenn es darum geht, Menschen zu befähigen, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen. Denn Geschichten erleichtern in komplexen Situationen die Orientierung: Das ist besonders hilfreich, wenn man krank ist.

Und hier gehts zu Silkes Blog, in dem immer wieder Wissenswertes zum Thema Heath Care (unter anderem auch ein Schwester-Artikel zum Thema) nachzulesen ist. silke

Danke, Silke! Dein Beitrag hat uns sehr erfreut und weitergeholfen!

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>direkt zu unserem Care Paket, in dem eine wunderbare Geschichte erzählt wird, die Tess in einem Taxi erlebt

 

 

 

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