Das Sachbuch des Monats September 2020: Ungewollt kinderlos – und jetzt? Von Miriam Funk

kleines seeungeheuer

Niemand kann so gut und einfühlsam über ein emotional schwieriges Thema sprechen wie jemand, der selbst betroffen ist. Die Medizinjournalistin Miriam Funk hat ihre eigene Situation zum Anlass genommen, einer Gefühlslage auf den Grund zu gehen, über die immer noch sehr viel mehr geschwiegen als geredet wird. Menschen, die Kinder haben, können sich kaum vorstellen, wie es ist, sich welche zu wünschen … immer wieder, immer verzweifelter, immer ohnmächtiger. Jeden Monat wieder zu hoffen und frustriert zu werden und das bis zu dreißig Jahre lang – das kann zermürben, depressiv werden lassen oder auch zornig.

1,5 bis 2 Millionen sollen in Deutschland betroffen sein.

Was andere dazu sagen

Dazu kommt, wie im Buch protokolliert, eine Fülle von Anmerkungen der Menschen um einen herum, die dieses Problem überhaupt nicht kennen:

  • grob
  • scherzhaft
  • platitüdenhaft
  • gönnerhaft
  • urteilend

Lesen Sie es nach: Wenn Sie betroffen sind, wird Ihnen manches nur zu bekannt vorkommen. Die Autorin hat 75 Menschen befragt. Es tut gut, wenn man nachlesen kann, dass Bemerkungen, an denen man vielleicht selbst tagelang zu knacken hatte, gar nicht so furchtbar selten sind.

Was es für den Rang innerhalb der Familie bedeutet

Hochinteressant sind Funks Ausführungen zum Rang innerhalb der Familie, der tatsächlich noch immer stark vom Kinderhaben beeinflusst wird. Wer keine hat oder womöglich auch keinen Partner, der findet sich weiter unten in der Hierarchie wieder. Wer ohne Kinder ist, trägt nicht zum Weiterlebens des Stammes bei, wird später auch keine Enkel haben, hinterlässt keine bleibenden Spuren. Das muss alles nicht immer stimmen, aber ich glaube schon, dass dergleichen Gedanken im Familienzusammenhang – wenn auch nicht ausgesprochen – eine Rolle spielen. Dazu kommt natürlich die klassische

Frauenrolle.

Nur weil die sich in den letzten 100 Jahren stark verändert hat, heißt das noch lange nicht, dass die patriarchalische Hauptbedeutung der Frau – Kinder zu bekommen – verschwunden ist. Sie bleibt wichtig und grundsätzlich, die neuen Aufgaben (wie Selbstverwirklichung oder Karriere) sind nur hinzu gekommen.

darum geht es nicht (*)

Was das Buch nicht ist:

ein Ratgeber, wie man sich den Kinderwunsch erfüllen kann. Mit welchen “wunderbaren” technischen und medizinischen Hilfsmitteln, mit Adoption und Pflegekinderschaften. Darum geht es nicht. Es geht darum, sich mit der eigenen Kinderlosigkeit auszusöhnen und sie nicht in alle Ewigkeit als persönlichen Mangel und Versagen zu definieren.

Das Besondere dieses Buches

ist seine einfühlsame, wertschätzende Sprache. Wer an diesem Punkt angelangt ist (oder ihn anstrebt), dem hilft es sicher, seinen Gefühle einen starken Ankerplatz zu geben: in diesem Text, in seinen Fallbeispielen oder in den Ritualen, die vorgeschlagen werden. Für 16,95 €, 107 Seiten, mit vielen sehr wertvollen weiterführenden Links und Adressen: Miriam Funk: Ungewollt kinderlos – und jetzt? Erschienen ist es im Frankfurter Mabuse Verlag. der übrigens alle seine Gesundheitsthemenbücher portofrei zusendet.

Kaufen wollen Sie das Buch sicher bei Ihrem örtlichen Buchhändler (der Ihren Auftrag ganz bestimmt gut gebrauchen kann), falls nicht, dann empfehlen wir Ihnen den Autorenweltshop, über den wir im Juli 20 berichtet haben – mit Film!

Bild(er) von unsplash (*) oder wikimedia commons (**) oder selbst geschossen (***), useum (****)danke!

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