Fridays for Future: Flasche für Flasche

Immer mal wieder Freitags wollen wir uns hier Gedanken zum Thema machen. Der Klimawandel – was bedeutet er für uns in Deutschland? Was können wir tun, um die Folgen zu mildern? Oder das 1,5 °C Ziel zu erreichen? (Das haben wir womöglich schon.) Oder doch eher das 2 °C Ziel. Oder das 2,5°C Ziel?

Wer hierzu Vorschläge hat, kann sich gerne melden. Wir nehmen alles, was uns sinnvoll erscheint , auf – und sei es eine ganz bescheidene Idee. Alles, was in die richtige Richtung weist, soll uns willkommen sein. Es soll eine Gedankensammlung werden, kein fertiger Handlungskatalog.

Fridays For Future – Mehrweg, Einweg, Pfand oder was?

Es ist ja oft nicht einfach, umwelttechnisch das Richtige zu tun. Man hat auch nicht immer Lust, sich über alles und jedes Gedanken zu machen. Manches möchte man einfach erledigen. Punkt.

Ganz besonders wahr ist das, wenn es um Trinkwasser geht. Wir sollen ja alle ungeheure Mengen davon zu uns nehmen – die Angaben schwanken zwischen 1,5 und 3 Litern pro Tag. Wasser tut dem menschlichen Körper, der selbst zu 80% aus Wasser besteht, einfach gut; wir verlieren ja auch ständig etwas davon, ganz besonders in so heißen Sommern wie diesem.

Fridays For Future: Gold geht an…

Das beste und gesündeste Wasser kommt in Deutschland aus der Leitung. bei einem Test der Stiftung Warentest von 2018 schlägt es viele abgepackte Mineralwässer um Längen. Warum also nicht einfach wieder den Hahn öffnen, eine Karaffe damit füllen, ein Minzeblatt hineinwerfen und das Getränk auf den Esstisch stellen? Umwelttechnisch wäre man hiermit Goldmedaillengewinner.

Erster Sieger: Leitungswasser [unsplash]

Wenn wir das nicht wollen oder aber kohlensäurehaltiges Wasser brauchen, könnten wir Leitungswasser sprudeln oder aber Wasser in Flaschen kaufen. Und hier beginnt das Dilemma: Welche der vielen Flaschen im Angebot beim Discounter wäre nun eigentlich die Richtige? Billig sind sie schließlich (fast) alle. Plastik oder Glas? Recycelbares PET oder Mehrweg?

Fridays for Future: Silber geht an…

Silber geht an die Glasflasche, aber auch nur, wenn sie aus der Region kommt und nicht allzu weit transportiert werden muss. Mineralquellen gibt es in Deutschland fast überall. Es dürfte also nicht allzu schwer sein, eine Sorte zu finden, die aus der Umgebung kommt. Eine solche Flasche kann bis zu 50 Mal wiederverwendet werden. Die Kunststoffträger können sogar bis zu 100 Mal wieder eingesetzt werden. Und die Säuberung, Sortierung, etc lässt Arbeitsplätze entstehen, auch in unmittelbarer Umgebung, kommt uns also auch in dieser Hinsicht zugute.

eine Mineralwasserflasche aus Glas
Jaja, das gibt es: die deutsche Normbrunnenflasche [wikipedia]

Zwei, drei Nachteile sollten natürlich nicht verschwiegen werden: Glasflaschen sind sauschwer und die (meisten) Discounter haben sie gar nicht im Sortiment, weil der Platz für die Lagerung fehlt und/oder der Großhändler nicht mitspielt. Zu 50% kaufen wir aber bisher Wasser beim Discounter Aldi oder Lidl. Und Pfand kostet sie auch.

1970 waren die Deutschen schon mal weiter als heute. Lesen sich die interessante Geschichte der Normbrunnenflasche nach, die oben abgebildet ist. Und ja, wenn wir der Umwelt etwas Gutes tun wollen, fügen wir uns der Norm! Die Biertrinker – die einzigen anderen, die sich mit der Mehrweg-Glasflasche arrangiert haben, jedenfalls zu 82% – können es ja auch. Mentale Notiz: Vielleicht beides zusammen im Getränkemarkt besorgen?

Fridays for Future: Bronze geht an…

Pit, patt, pet – ist nicht immer nett [unsplash]

Und jetzt kommt sie, die praktische pfandpflichtige Mehrweg-PET-Flasche, die uns alles so handlich und leicht macht. Bis zu 15 Mal, so die Theorie (an die manche nicht glauben können), kann sie wiederverwendet werden. So sieht das Logo aus, das sie tragen kann, aber nicht muss:

Seit Januar 2019 verlangt ein neues Verpackungs-Gesetz, dass am Regal angeschlagen sein muss, ob es sich um Mehrweg- oder Einwegflaschen handelt. Warum eigentlich nur da? Und nicht an der Flasche selbst?

Fridays For Future: 4. Platz

Hier ist die beliebte Einweg-PET-Flasche, die uns so lange als umweltfreundlich gepriesen wurde. Wir glauben es ja auch, weil sie auch mit Pfand belegt ist. 98% der Deutschen, so lese ich, bringen die PET-Flaschen auch brav zurück. Was Pfand kostet, ist was wert, denken wir. Und vom Wort Wert saust der Gedanke zum Wertstoffhof und zum Recyclen. Und dann fragen wir uns schon: Ist nicht das Recyclen auch eine Art Mehrweg? Wenn doch daraus wieder eine neue PET-FLasche wird?

Nein, ist es nicht. PET-Flaschen werden zwar geschreddert und weiterverarbeitet. Aber nur 26% des Materials verwandelt sich wieder in Flaschen, wobei meist frisches PET zugesetzt werden muss, der Rest geht in Textil (Fleece, das extrem viel Mikroplastik in die Umwelt verteilt) und jede 10. wird einfach verbrannt.

Pfand logo
pfandpflichtige Einwegflasche [label online]

Auf dem undankbaren 4. Platz hat man auch verloren. Und muss sich fragen lassen, ob man genug Mühe in sein Vorhaben investiert hat.

Fridays for Future: Letzter Platz

Nicht pfandpflichtige Einweg-Flaschen aus Plastik. Darin könnten Nektare und Fruchtsäfte sein oder milchhaltige Varianten.

Und noch mehr verlieren wir alle bei Mineralwässern, die von weit her transportiert werden müssen – auch, wenn das Wasser in Mehrweg-Glasflaschen abgefüllt wurde. Obwohl sie angesagt sind – die Pellegrinis, Perriers, Vichys, etc – sind sie Gift. Nicht für uns, sondern für die Umwelt.

Produziert, geliefert und ins Regal gestellt wird das, was wir Kunden abnehmen – das sollten wir uns immer sagen, wenn wir schwach werden angesichts des Angebots.

Und jetzt sind Sie ganz verwirrt? Damit stehen Sie nicht allein! Der Entscheidungsweg müsste folgendermaßen laufen, meine ich (bitte berichtigen, falls ich Denkfehler gemacht habe): Brauche ich überhaupt industriell verpacktes Mineralwasser? Wenn ja, dann in Kästen und in Glasflaschen, wenn es aus der Nähe kommt. Wenn es das nicht gibt, dann Mehrweg-Plastikflaschen (Beschriftung muss am Regal sein), die ich zum Verkäufer zurückbringe. Keinesfalls Mineralwasser aus fernen Gegenden, keinesfalls Einwegflaschen, am allerwenigsten jedoch pfandlose Einwegflaschen.

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