Hurra! Gewonnen! Die Filmkritik: Toni Erdmann

 

Und hier geht es zum Interview mit der Regisseurin!

Vieles ist von der Kritik ja schon gesagt worden zu Maren Ades Überraschungserfolg

Toni Erdmann.

Man kann es hier in der FAZ und hier in der ZEIT nachlesen. Kluges, Interpretierendes, Erhellendes. Denn manchen lässt der Film einigermaßen ratlos. Diese Art von kruder anarchischer Komik (die den exzentrischen Engländern womöglich leichter fällt als uns Deutschen) ist nicht jedermanns Sache. Vielleicht braucht man ein comedy-geschultes Auge, um derlei zu goutieren.

Denn da wird vom sich verloren fühlenden Vater der Hauptfigur Ines ein Zerrspiegel ausgepackt, der seinem Kind vor Augen führen soll, was in der Bukarester (!) Global-Player-World so alles schiefläuft. Ines ist nämlich Unternehmensberaterin und genau dieser Beruf bekommt dick sein Fett weg. Zunächst wird die Scharlatanerie aufs Korn genommen: Der Vater betreibt instinktiv erfolgreiches name-dropping, indem er sich auf Ion Tiriac (der einzige erfolgreiche Rumäne, der ihm einfallen will) beruft. Und so geht sein Einstieg in die Riege der Consultants via krausem Charisma einigermaßen gut. Die gelangweilte Bussi-und-Business-Gesellschaft freut sich über einen farbigen Akzentsetzer, auf den sie unter professionellen Gesichtspunkten herabschauen kann.

Aber auch die Tochter kann sich wehren. Dem unglaublichen Sexismus dieser (Männer-)Welt zeigt sie es, indem sie selbst ihren männlichen Liebespartner zur Spritzmaschine herabwürdigt. Da schenkt sich keiner nichts… ein extrem unterkühltes Arbeitsklima, unter dessen glatter Oberfläche Hass, Respektlosigkeit, Lieblosigkeit und Menschenverachtung simmern.

Ein wenig kurz kommt die Analyse dessen, was Unternehmensberater wirklich tun. Dass sie feigen Bossen die Argumente (zur Entlassung von Mitarbeitern) liefern und den Sündenbock gleich mit – geschenkt. Dass sie aber auch marode Firmen sanieren helfen und damit ihr Überleben sichern, fällt unter den Tisch. Das passt eben nicht so gut ins (Regie-)Konzept.

Und doch: Ein Film im Kammerspielmilieu mit Wucht und Stille gleichermaßen. Und mit langen Einstellungen auf Gesichtern… und deren entgleisenden Zügen. Toll! Fabelhaft die Leistungen a l l e r Schauspielerinnen und Schauspieler. Ein bisschen davon ist hier im

Trailer

zu sehen. Hut ab vor den beiden Hauptdarstellern!

Am allerspannendsten ist aber das, was die Dame sagt, die die Vorlage zu Ines abgegeben hat: Lotte Brauns. Unbedingt lesen!

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