Zum Tode Jean-Luc Godards: Die Verachtung

Was ist nicht alles über den berühmten Nouvelle-Vague-Filmemacher geschrieben worden – dazu wurde von vielen schon alles gesagt. Kein Wort mehr dazu.

Als Hommage an sein Lebenswerk habe ich gestern bei ARTE

Die Verachtung

angesehen. Ein Film, der einen etwas ratlos zurücklässt. Dass er viel Filmgeschichte zitiert, dass sich Fritz Lang selber spielt, dass auch Godard in einer Cameo-Rolle auftritt, dass Capri, die schicke römische Stadtwohnung und das spektakuläre Malaparte-Haus auftauchen, dass die Farben Weiß (Intellekt) und Rot (Sex und Potenz) dominieren, dass viel Geschichte, Philosophie und (deutsche)Lyrik eine Rolle bekommen – geschenkt. Und natürlich

die Bardot, die Bardot.

Ein einziger gedeckter Tisch! (Während der Filmaufnahmen musste sie sich sicher xmal zusätzlich (die Kunst! die Kunst!) ausziehen, damit die ganze Crew auch auf ihre Kosten kam.)

Brigitte Bardot at her best (**)

Interessant war für mich besonders das Geschlechterverhältnis: Die absolute Arroganz, mit der die Männer (Regisseur, Produzent, Drehbuchautor) ihren dümmlichen Narzissmus zelebrieren – und die Fügsamkeit der Frauen, die das alles hinnehmen. (Nun gut, 1963 gedreht!).

Drei Beispiele seien nur genannt: Wie die Dolmetscherin und Assistentin ihren Rücken beugt, damit der Herr Produzent darauf ein paar Notizen machen kann. Wie selbstverständlich (fast) alle Männer sie berühren, betatschen, ihr in die Haare fahren, wenn sie mal eben nicht wissen, wohin mit ihren Händen. Wie der Drehbuchautor seiner, von ihm doch so geliebten Frau, offen ins Gesicht schlägt.

Man mag es kaum glauben. Und die Frauen? Sie spielen mit, abhängig vom Patriarchat, wie sie alle zu glauben scheinen. Ihre Auflehnung drückt sich in der albernen Koketterie und Zickigkeit aus, die die Bardot so überzeugend spielt: “Weiß ich doch nicht, warum ich jetzt anders darüber denke als vor fünf Minuten.” Soll heißen, offene Revolution wage ich nicht, benehme ich mich halt so kapriziös, dass mich keiner von euch verstehen kann.

Hm. Ein Dokument der Zeitgeschichte. Das ja. Ein guter Film? Eher nicht. Eine stimmige Handlung? Das schon. Gute Dialoge? Nein. Jedenfalls meiner Meinung nach.

Zu einer ernsthaften Filmkritik hier entlang.

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