Nicht nur unter Corona haben wir erkannt, wie wichtig persönliche Unterhaltungen zu einzelnen Themen sind. Weil es aber physisch nicht immer geht, müssen wir uns online unterhalten, so zum Beispiel per Email.
Wir wollen ab jetzt ab und an kurze Statements veröffentlichen, die uns unsere Leserinnen und Leser spenden. Wir fragen, sie antworten spontan. (Nicht unähnlich der Runde, die uns schon zum Thema Sinnlich sein oder werden ihre Ansichten spenden (zu finden unter den Frivolini).) Es geht nicht um Tiefschürfendes, sondern um ein paar Sätze, die uns verraten, wie jemand über eine gewisse Sache denkt. Wir wollen Dankbarkeit zeigen, Freundschaften pflegen und Familienzusammenhalt stärken, indem wir miteinander sprechen. Virtuell oder in echt!
Wir haben uns wieder getroffen – virtuell natürlich. Und dann uns – und die Männerrunde – mit folgender Frage beschäftigt:
Manche Menschen haben innige Beziehungen zu einem Tier. Wie sieht das bei euch aus? Habt oder hattet ihr Haustiere?
Ich bin Kerstin, Betriebswirtin und mit Herzblut auch Biologin, Journalistin, Autorin. Mich interessiert alles, was Mensch und Tier am Leben hält – vor allem aber, wie sich die heimische Biodiversität erhalten lässt.

Da gab es, früher wohl ganz klassisch für Kinder, nacheinander zwei Meerschweinchen, an deren Fiepsen ich mich noch wunderbar erinnern kann. Sie haben mich beim Nachhausekommen schon lange gehört, bevor die Türe aufging. Eines war so frech wie sein Rosettenhaarschopf und ging immer auf Erkundungstour in der Wohnung (bei uns hatten die Kleinen quasi immer Freigang). Es konnte mit seinen Zähnen in einem unbedachten Moment sogar die untere Schublade vom Kühlschrank ein wenig öffnen, um an hochstehende Salatblätter zu gelangen. Die beiden wurden geliebt, gehegt, gepflegt, gestreichelt und am Ende traurig vermisst. Heute sieht man solche Haustiere natürlich ein wenig anders.
Hallo, ich bin Ines. Mit 18 Jahren war ich in der Stuttgarter Kunstakademie, seither bin ich das, was man Freischaffende Künstlerin nennt mit Schwerpunktthema „Mensch“. Froh bin ich über Literatur und glücklich, wenn ich ein schönes Buch in Händen halte

Es gibt da eine Geschichte aus meiner Kindheit. Als ich 7 Jahre alt war, wanderte mein Onkel mit seiner Familie aus nach Australien und wir, also meine Eltern und ich, übernahmen die beiden Laubfrösche Benno und Susi samt ihrem Glasgehäuse. Unserer Meinung nach mußten Frösche aber weitere Strecken hüpfen können, also haben wir sie täglich eine Weile rausgelassen im Wohnzimmer. Da wir aufpassen mußten, daß sie nicht unter einen Teppich gerieten, lauerten wir immer am Rande davon und krabbelten auf dem Boden, um auf die Frösche aufzupassen. Am Ende waren wir alle (auch Benno und Susi) froh, das Abenteuer gut überstanden zu haben. Ein anderes Abenteuer waren die Fütterungen mit lebenden Mehlwürmern. Das war vor allem für uns Menschen gewöhnungsbedürftig. Eines morgens aber war es Benno, der voller Schreck einem riesigen schwarzen Käfer auf seiner Leiter gegenüber saß. Eines der Mehlwürmer wurde nicht schnell genug gefressen und hatte sich also in diesen Käfer verwandelt. Mein Vater mußte rettend eingreifen und den Käfer herausholen. Außerdem war die Familie selbst auf Jagd von Fliegen. Zum Beispiel in Gaststätten, wo damals noch einiges an „Muggen“ um die Lampen flog. Wir hatten kleine verschließbare Gläschen und schlichen uns damit an die Fliegen von hinten heran, rein damit und Stöpsel drauf. Die Frösche hatten dann einiges zu tun, bis das Futter gefangen und verspeist war. Eines Tages starb Benno an Altersschwäche. Die jüngere Susi hockte traurig auf der Leiter und wollte nicht mehr fressen. Und so starb sie an Trauer bald danach.
Ich heiße Barbara und bin nach der Juristerei auf die Kunst gekommen. Eine Kunst, die zum Nachdenken und Loslassen anregen soll und die ich mit Leidenschaft betreibe.

Ich hatte und habe keine Haustiere. Drei Kinder und Berufstätigkeit hätten mich damit überfordert! Aber als der Familienhund meiner Tochter und Enkel kürzlich starb, musste ich weinen. Über die Jahre hatte sich für mich mit ihm eine innige Beziehung aufgebaut. Ich war sehr traurig!
Ich bin Lea, Altruistin, Misanthropin, halb freiberufliche Texterin und Übersetzerin für Leichte Sprache, halb Geschäftsführerin eines gemeinnützigen Vereins, ohne menschlichen Anhang, dafür wunderbar fest verbunden mit dem unglaublichsten Profiplüschtier der Welt, meiner Blindenführhündin Arzu.

diese Frage könnte nicht besser – oder auch gleichzeitig nicht schlechter – zum heutigen Tag passen. Es ist der 10. September und vor einem Monat geriet mein Leben aus den Fugen. Meine frühere Blindenführhündin Arzu, die schon seit zwei Jahren in Rente war, mich 12 Jahre lang sicher durch viele wichtige Stationen meines Lebens geführt hatte, musste mit bereits 14 Jahren einen kleinen Eingriff über sich ergehen lassen. Erst war alles super, es ging ihr gut und ich dachte, jetzt geht es für eine Weile erstmal wieder bergauf. Wenige Tage lang war das auch so, dann ging es abwärts. Binnen anderthalb Wochen verschlechterte sich ihr Zustand so sehr, dass sie völlig desorientiert war, irgendwann nicht mehr aufstehen, nicht mehr trinken und kaum noch fressen konnte, Da sie nicht laufen konnte, konnte sie auch ihre Geschäfte nicht mehr machen. Sie weinte, hechelte und hatte sehr offensichtlich starke Schmerzen, ihr linkes Auge war entzündet und geschwollen, vielleicht ein plötzliches Glaukom, vielleicht ein Tumor in der Augenhöhle. Aus dem Kontrolltermin beim Tierarzt wurde ein Abschied und seit dem 24. August hat sie ein wunderschönes Grab in meinem Garten neben ihrem besten Kumpel Akiro und dem alten Kirschbaum, den sie so liebte, solange er noch Kirschen produzierte. Sie bedeutete mir Alles, war mein Anker, wenn ich nicht mehr weiter wusste und keine Motivation mehr fand, denn für sie musste ich ja noch da sein. Jetzt fehlt sie und so ganz ist das Gefühl noch nicht durchgedrungen, aber ich habe große Angst vor dem Moment, wenn ich realisiere, dass mein Stück heile Welt unwiederbringlich weg ist und ich nun vor einem reinen Desaster stehe. Einen ausgebildeten Führhund werde ich aufgrund der normalen Abläufe erst frühestens in zweieinhalb Jahren bekommen. Bis dahin keine Ahnung.
Ich bin Ulrike. Ich habe Kunstgeschichte studiert und arbeite als vereidigte Sachverständige in München. Meine Auftraggeber sind neben den privaten Sammlern vor allem auch Gerichte, Banken und Versicherungen. Daneben der Kunsthandel, Galerien und Auktionshäuser.

Nein wir hatten keine Haustiere. Vor allem kommt mir bei der Frage eine traurige Geschichte in den Sinn. Meine ältere Schwester und ich wurden von unseren Großeltern mütterlicherseits auch dahingehend verwöhnt, dass Sie mit uns jedes Jahr in den Sommerferien vor unseren Urlaubsreisen mit unseren Eltern jeweils zwei Wochen nach Staudach fuhren, einem kleiner Ort an den bayrischen Bergen gelegen, unweit vom Chiemsee. Dort wohnten wir bei Verwandten von alten Bekannten meiner Großeltern, die an Feriengäste vermieteten. Diese Vermieter hatten Katzen, die immer im Haus unterwegs waren und die ich sehr ins Herz schloss. In einem Jahr hatten die Katzen gerade Junge und in diese Mini-Kätzchen habe ich mich natürlich auf der Stelle verliebt. So kam es, dass mir die Gastgeber eines dieser Kätzchen zum Geburtstag schenkten, der in diesem Jahr in Staudach gefeiert wurde. Leider, leider durfte ich das Kätzchen aber nicht mit nach Hause nehmen. Ich musste mich sehr schweren Herzens von ihm verabschieden, als wir abgereist sind.
Ich bin Margaretha, ehemalige Fernsehjournalistin und heute systemische Therapeutin. Mich interessieren Menschen und ihre Geschichten, sei es in Gesprächen, in Filmen oder in Büchern. Meine besondere Liebe gilt den Tieren.

Er hatte blondes Haar. Seine Wimpern hatten einen rötlichen Ton (wie bei Robert Redford). Er war durchtrainiert, hatte aber immer ein paar Kilos zu viel. Das tat seiner Schönheit aber keinen Abbruch. War es doch einfach ein Zeichen dafür, dass ihm alles schmeckte, was ich ihm vorsetzte. Henry und ich, wir waren nicht nur privat ein Paar, sondern auch beruflich. Morgens gingen wir gemeinsam aus dem Haus. Unser Arbeitsplatz war das Bayerische Fernsehen. Ich kümmerte mich dort um die redaktionellen Inhalte, er war der Publikumsliebling unserer Nachmittagssendung ‚wir in Bayern‘. Natürlich habe ich auch seine Fanpost bearbeitet und Autogrammwünsche erfüllt. Nicht selten wurde er auf der Straße erkannt oder im Englischen Garten, wo er am liebsten im Eisbach herumtobte. Henry hatte vier Pfoten. Er war ein Labrador. Sein Herz war riesengroß. Niemals vermutete er etwas Böses. Immer war er freundlich und zugewandt. Besonders dann, wenn es ein Würschtl gab… 14 Jahre war Henry an meiner Seite. Seit drei Jahren ist er im Hundehimmel – und ich vermisse ihn noch immer.
Habt Dank, ihr Lieben! Ich selber bin keine große Freundin vom Getier. Habe eher Angst vor ihnen und meine, sie nicht zu verstehen. Deshalb heute kein Beitrag von mir. Aber ich freue mich sehr (und leide mit, Lea! Margaretha!) über eure Gedanken und Erfahrungen dazu. Sie bereichern die Welt!
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