Nicht nur unter Corona haben wir erkannt, wie wichtig persönliche Unterhaltungen zu einzelnen Themen sind. Weil es aber physisch nicht immer geht, müssen wir uns online unterhalten, so zum Beispiel per eMail.
Wir wollen ab jetzt ab und an kurze Statements veröffentlichen, die uns unsere Leserinnen und Leser spenden. Wir fragen, sie antworten spontan. (Nicht unähnlich der Runde, die uns schon zum Thema Sinnlich sein oder werden ihre Ansichten spenden (zu finden unter den Frivolini).) Es geht nicht um Tiefschürfendes, sondern um ein paar Sätze, die uns verraten, wie jemand über eine gewisse Sache denkt. Wir wollen Dankbarkeit zeigen, Freundschaften pflegen und Familienzusammenhalt stärken, indem wir miteinander sprechen. Virtuell oder in echt!
Wir haben uns wieder getroffen – virtuell natürlich. Und dann uns – und die Männerrunde – mit folgender Frage beschäftigt:
Wenn du an deine Mutter denkst – welchen Gedanken oder welche Verhaltensweise oder Maxime hast du von ihr übernommen? Und bis heute beibehalten?
Hier ist Kerstin aus Renningen:
Ich bin Kerstin, Betriebswirtin und mit Herzblut auch Biologin, Journalistin, Autorin. Mich interessiert alles, was Mensch und Tier am Leben hält – vor allem aber, wie sich die heimische Biodiversität erhalten lässt.

Darüber habe ich lange nachgedacht. Ganz bestimmt fallen mir viele Verhaltensweisen ein, aber ich möchte mich hier auf die berufliche Seite konzentrieren. Meine Mutter war über 40 Jahre lang berufstätig und es war ihr immer wichtig, im Team zu arbeiten. Das ist wohl eine Eigenschaft, die ich übernommen und bis heute gerne beibehalten habe. Meiner Erfahrung nach kommen so die besten Ergebnisse zustande.
Ich liebe es, team-zu-playen, eine Aufgabe im Austausch mit KollegInnen oder Kunden zu bearbeiten, auf Augenhöhe zu agieren, sich kooperativ auszutauschen, abzustimmen – und auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten. Als Freie ist man zwar EinzelunternehmerIn, aber ohne regelmäßigen Kundenkontakt würde mir der Job wohl nur halb so viel Freude machen.
Wenn du an deine Mutter denkst – welchen Gedanken oder welche Verhaltensweise oder Maxime hast du von ihr übernommen? Und bis heute beibehalten?
Hier ist Ines aus Böblingen:
Hallo, ich bin Ines. Mit 18 Jahren war ich in der Stuttgarter Kunstakademie, seither bin ich das, was man Freischaffende Künstlerin nennt mit Schwerpunktthema „Mensch“. Froh bin ich über Literatur und glücklich, wenn ich ein schönes Buch in Händen halte

Meine Mutter hat immer nachgefragt, wenn sie etwas nicht verstanden hatte.
Wenn in einem Gespräch ein Wort fällt oder eine Formulierung, die ich nicht kenne, frage ich nach.
Auf diese Art lernst du was dazu, hat meine Mutter gesagt.
Meistens stimmt das, oft aber auch nicht. Wenn nämlich der Gefragte gar keine Antwort weiß, weil er die Formulierung oder das Wort nur benützt, es aber selbst auch nicht richtig versteht.
Kann peinlich sein.
Im besseren Fall machen wir uns dann gemeinsam auf die Suche nach Erklärungen und lernen beide was dazu.
Schöne Aprilgrüße,
Ines
Hier ist Barbara aus Fürth:
Wenn du an deine Mutter denkst – welchen Gedanken oder welche Verhaltensweise oder Maxime hast du von ihr übernommen? Und bis heute beibehalten?
Ich heiße Barbara und bin nach der Juristerei auf die Kunst gekommen. Eine Kunst, die zum Nachdenken und Loslassen anregen soll und die ich mit Leidenschaft betreibe.

Als meine Mutter im Mai 2009 starb, empfand ich großen Schmerz. Solange Zeit, insbesondere während ihrer über viermonatigen Leidenszeit war es für mich nicht möglich, mit ihr zu reden und ihr meine Gefühle mitzuteilen. Sie war meist in einer anderen Welt.
Ich hätte ihr so dringlich verständlich machen wollen, dass ich in keiner Weise ihr gleiche. Sie immer voller Selbstbeherrschung und Leistung, ich gefühlsbetont und suchend. Ich wollte wahrscheinlich ihr bedingungsloses Einverständnis zu meiner Andersartigkeit.
Im Moment des Todes war mir dann auf einmal sehr klar, dass ich die Rolle meiner Mutter, die sie im Zusammenhalt der Familie einnahm, würde annehmen müssen. Ich nahm es im Bewusstsein der Verantwortung – offensichtlich auch die Triebfeder meiner Mutter – an.
Und es gelang mir und ich mache es heute noch gerne. Auch die Förderung der Enkel habe ich übernommen.
Hier ist Lea aus Aachen:
Wenn du an deine Mutter denkst – welchen Gedanken oder welche Verhaltensweise oder Maxime hast du von ihr übernommen? Und bis heute beibehalten?
Ich bin Lea, Altruistin, Misanthropin, halb freiberufliche Texterin und Übersetzerin für Leichte Sprache, halb Geschäftsführerin eines gemeinnützigen Vereins, ohne menschlichen Anhang, dafür wunderbar fest verbunden mit dem unglaublichsten Profiplüschtier der Welt, meiner Blindenführhündin Arzu.

Liebe Nessa,
ich habe ein sehr schwieriges Verhältnis zu meiner Mutter, was zu großen
Teilen daran liegt, dass ich viele Verhaltensweisen von ihr übernommen
habe, die ich seit Jahren loszuwerden versuche. Was ich von ihr gelernt
habe, ist vor allem, wie ich Dinge nicht machen möchte. Ihre fordernde
und permanent anklagende Art sitzt mir tief in den Knochen und macht mir
das Leben und die Kommunikation mit Menschen oft schwer, daher arbeite
ich ständig und intensiv daran, diese Verhaltensweisen abzulegen, mit
immer mehr aber noch nicht ausreichendem Erfolg.
liebe Grüße
Lea
Hier ist Nessa aus Böblingen:
Wenn du an deine Mutter denkst – welchen Gedanken oder welche Verhaltensweise oder Maxime hast du von ihr übernommen? Und bis heute beibehalten?
Mich kennen Sie natürlich. Ich bin Nessa Altura, die Betreiberin dieses Blogs. Und ich bin diejenige, die hier die Fragen stellt.

Ich denke, ich bin meiner Mutter sehr ähnlich, sowohl von außen (obwohl sie ein dunkler Typ war und ich ein eher heller Typ bin) als auch von innen.
Gemeinsam haben wir sicher die stiff upper lip der Engländer, was zu deutsch wohl bedeutet: Augen zu und durch, wir schaffen das. Geschuldet ist das sicher der Nazizeit und der Kriegszeit, in der meine Mutter jung war und viel auszuhalten lernen musste. Das war und ist bei mir ganz anders, deshalb ist diese Haltung vielleicht manchmal gar nicht mehr so angebracht.
Eine nette Anekdote zum Thema ist folgende: 25 Jahre nach meiner Hochzeit überreichte mir meine Mutter einen Karton voller schönster Frottee-Handtücher. So etwas gehörte dazumal zur Mifgift „höherer Töchter“ und war von ihr, als es endlich und spät zur Hochzeit kam, übersehen worden. Um so schöner, die gute Qualität jetzt auszupacken. Darunter war ein Set von harten extrem kratzigen Handtüchern. Die sind, so erklärte sie mir, nicht zum Trocknen der nassen Haut gedacht, sondern zum Rubbeln nach Abtrocknung. Quasi eine Bürstenmassage ohne Bürste. Ganz schön heftig.
Ich nutze sie jeden Morgen. Und immer, wenn ich rubble, denke ich an sie. Mit Rührung und Liebe.
Nessa
Danke an euch, ihr Lieben, für die antworten. Ganz besonders herzlicher Dank geht an Kerstin, die neu zu uns gestoßen ist. Wir sind gespannt auf das, was wir da noch zu hören bekommen werden…! Übrigens: Es gibt ein neues Angebot zum Muttertag beim Autorenexpress. Soll die Kommunikation erhöhen!
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