Unser Produkt des Monats September: die Micro-Bibliothek

Unser Produkt des Monats September ist wirklich eine ganz und gar schlüssige Sache: Die Micro-Bibliothek. Ich habe neulich, ich hatte davon geschrieben, auf einem Stuttgarter Bahnhof auch so eine Micro-Bibliothek entdeckt und genutzt.

Daniela Dreuth, die Kinderbuchexpertin und Lektorin aus Wipfra, hat sich selbst eine eingerichtet. Warum denn so kompliziert, wenns auch einfach geht, nicht wahr?

Daniela Dreuth, Guerilla Librarian

Was macht Ihr Produkt so einzigartig?

Es gibt viele wundervolle Bibliotheken, meist in Städten. Sie haben feste Öffnungszeiten und alle Nutzer bekommen einen Leseausweis. Auch öffentliche Bücherschränke und private Kleinstbibliotheken, die, wie ich kürzlich erfahren habe, micro libraries genannt werden, habe ich bisher nur in Städten entdecken können. Ich dagegen betreibe eine kleine Kinderbibliothek in unserem Dorf und bin damit wohl eine guerilla librarian. Vor unserer Haustür steht ein kleiner Bücherschrank, in dem die Sachbücher ihren Platz gefunden haben. Außerdem haben wir den Eingangsbereich unserer Garage abgetrennt. Dort finden zwei deckenhohe Regale Platz.

Meine Kinderbibliothek wird vor allem von den Kindern aus dem Wohngebiet genutzt, sie wohnen also in der Nachbarschaft. Sie enthält nicht so viele Bücher wie „richtige“ Bibliotheken, aber immerhin schon mehr als tausend. Der Platz ist leider arg begrenzt, das ist mein größtes Problem. Aber sie hat einige Vorteile:

– Sie ist in unmittelbarer Nähe, sodass selbst kleinere Kinder alleine oder mit dem älteren Geschwisterkind hingehen können.

– Sie ist jederzeit geöffnet. Es schüttet und der Lesestoff geht aus? Kein Problem, schnell mal Nachschub holen. Am Sonntagmorgen hätten Mama und Papa gerne noch ein bisschen ihre Ruhe? Dann gehen die Kinder eben mal in die Kinderbibliothek. Manchmal quetschen sich sogar vier Kinder in den Miniraum und spielen dort. Ich habe keine Ahnung, wie sie das machen, aber es funktioniert.

– Es gibt keine Verwaltung. Niemand muss sich anmelden, es kostet nichts, die Ausleihen und Rückgaben werden nicht notiert. Ja, es gibt einen gewissen Schwund, aber es hält sich in Grenzen.

geöffneter Bücherschrank

Der Autorenexpress würde am liebsten gleich eines auswählen

Die Bücher bekomme ich als Rezensionsexemplare von Verlagen, etliche haben meine Söhne mir zur Verfügung gestellt oder ich habe sie von Nachbarn, Freunden und Bekannten geschenkt bekommen. Eine Bibliothek hat mit viele ausrangierte Bücher weitergegeben, zum Beispiel einen ganzen Stapel tolle Was-ist-was-Bücher. Ein paar habe ich auch selbst gekauft, zum Beispiel die Harry-Potter-Reihe oder Pippi Langstrumpf, weil ich fand, dass sie unbedingt in solch eine Bibliothek gehören.

Nutzen Sie Ihre Bibliothek selbst?

Ich verbringe gerne Zeit in der Kinderbibliothek. Ich sortiere die Bücher wieder richtig ein, schaue, ob noch alles in Ordnung ist, mache sauber, unterhalte mich mit den Kindern, falls welche da sind. Am Wochenende stelle ich bei trockenem Wetter gerne eine Auswahl auf dem Bücherschrank aus, um neue Leserinnen und Leser anzulocken und die neuen Bücher zu präsentieren.

Oft werde ich um Lesetipps für Kinder einer bestimmten Altersstufe oder mit einem bestimmten Hobby gebeten. Dann gehe ich in die Bibliothek, lasse meine Blicke über die Buchrücken schweifen und suche nach passenden Büchern. Das funktioniert immer.

Im Moment denke ich mit meinem Mann ausgiebig darüber nach, wie wir die Bibliothek erweitern können. Im Keller stapeln sich nämlich schon wieder Bücher, die keinen Platz mehr finden. Aber keine Sorge: Wir haben schon eine Idee …

Wer sind Sie und was ist Ihre Aufgabe in Sachen Produkt?

Mein Name ist Daniela Dreuth, ich bin freie Lektorin. Ich habe also auch beruflich einiges mit Büchern zu tun. In meiner Freizeit blogge ich in meinem Blog https://kinderohren.wordpress.com. Ich rezensiere Bücher vom Bilder- über das Kinder zum Jugendbuch, Hörbücher für die gleiche Altersgruppe und ab und zu einen Elternratgeber oder einen Familienreiseführer.

gefüllt Bücherregale

Der Autorenexpress ist beeindruckt. Zur Nachahmung empfohlen!

Ich freue mich über jedes Buch, das auf diese Weise von einem Leser oder einer Leserin entdeckt wird. Ich finde es so wichtig, dass Kinder Spaß am Lesen finden!

Wir versenden ja Briefe und Geschichten. Wann haben Sie zuletzt einen Brief geschrieben oder ein Päckchen versandt? Erzählen Sie uns etwas über den Anlass?

Päckchen verschicke ich immer mal wieder – Geburtstagsgeschenke für Kinder aus dem Bekanntenkreis, die zu weit weg wohnen, um persönlich zu gratulieren. Das letzte ist erst ein paar Wochen her.

Tatsächlich kann ich mich nicht erinnern, wann genau ich den letzten privaten Brief verschickt habe und an wen. Selbst Rechnungen verschicke ich inzwischen fast ausschließlich per E-Mail. Das ist schade, denn als Schülerin hatte ich viele Brieffreundinnen in aller Welt und habe es geliebt, Briefe zu schreiben oder zu bekommen.

Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Ja, die Brieffreunde aus aller Welt – die gab es bei vielen, auch bei mir. Damals schien das alles unendlich weit weg, heute könnte man sie glatt besuchen. Wenn der Kontakt nicht abgerissen wäre…

Und hier gehts zu einem weiteren Interview mit Daniela Dreuth bei lexoffice. Danke, Carola, für den Tipp!

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