Wenn du an dein Berufsleben zurückdenkst, was vermisst du daran am meisten? Wir stellen unserer Männerrunde diese Frage

Unsere Frauenrunde kennen Sie ja. Sie soll Sie unterhalten; und zwar mit Ansichten zu Themen, die vielleicht auch Sie gerade beschäftigen.

Nicht nur unter Corona haben wir erkannt, wie wichtig persönliche Unterhaltungen zu einzelnen Themen sind. Parce que et physisch nicht immer geht, müssen wir uns online unterhalten, so zum Beispiel per eMail.

Wir wollen ab jetzt ab und an kurze Statements veröffentlichen, die uns unsere Leserinnen und Leser spenden. Wir fragen, sie antworten spontan. (Nicht unähnlich der Runde, die uns schon zum Thema Sinnlich sein oder werden ihre Ansichten spenden (zu finden unter den Frivolini).) Es geht nicht um Tiefschürfendes, sondern um ein paar Sätze, die uns verraten, wie jemand über eine gewisse Sache denkt.

Jetzt haben wir auch eine Männerrunde eingerichtet, die wir hier bereits vorgestellt haben.

Wenn du an dein Berufsleben zurückdenkst, was vermisst du daran am meisten?

Ich bin Michael, promovierter Chemiker, aber schon seit über 20 Jahren in Zulassungsabteilungen verschiedener Pharma-Firmen. Als (ehemaliger) Forscher, bin ich immer noch extrem neugierig und lerne gerne jeden Tag etwas Neues dazu.

Was sicherlich viele sagen würden, gilt auch für mich: am meisten vermisse ich die vielen netten Kollegen. Man versucht und verspricht sich im Kontakt zu bleiben, aber realistisch betrachtet wird es mit der Zeit doch immer weniger. Die gemeinsamen Themen fallen irgendwann weg. Die Freundschaften bleiben aber dennoch. Was ich gar nicht vermisse ist das frühe Aufstehen.

Ich bin Norbert, Volkswirt, Wanderer zwischen den Welten, von Politik, Verwaltung bis Wirtschaft, und Asien, Afrika bis Schwarzwald.

Es ist doch erstaunlich, wie manchmal die Berufsleben vom Zufall bestimmt sind. Selten kann man genau planen, was, wie und wo man arbeiten möchte. Und dann treibt es einen vielleicht irgendwo hin. Mich haben die Tätigkeiten nach Afrika, Asien, Bonn, Berlin, Darmstadt und Ostdeutschland getragen, und leider fast nie in der Heimatregion rund um Stuttgart. Was ich vermisse: ich hätte gern mehr in der Region gearbeitet mit weniger Pendeln und Reisen.

Ich bin Roman, frischgebackener Vater, Produktmanager in Software und interessiert an allem Digitalem. Zur Zeit im fernen Singapur ansässig.

Ich denke mal an meine Zeit in einem Büro zurück vor der Ära des Homeoffice. Das war in den Niederlanden. Ich mochte den pragmatischen Alltag, ohne viel Bohei. Morgens mit dem Rad zur Arbeit. Bei Regen wurden die nassen Sachen auf der Heizung getrocknet. Mittags wurde Käse und Wurst aus dem Kühlschrank geholt und ein Tosti (ein Sandwich im Grill) gemacht. Freitags wurde eine halbe Stunde früher Schluss gemacht und dafür eine Flasche Wein herausgeholt. Es ging auch mal ins Restaurant oder in eine Bar und das ist auch schön, aber nicht so niederschwellig.

Ich bin Rolf. Nach Uni-Studium (BWL, Mathe) beruflich als Software-Entwickler in D’land, Ostafrika, USA gearbeitet. Nach dem Beruf wieder ernsthaft Gitarre gespielt, die Welt bereist und in Künstlervereinigungen aktiv mitgearbeitet.

Was ich vermisse? – – ? Eigentlich war ich mit meinem Berufsleben ja recht zufrieden. Bereits 1994 aus Firmengründen etwas vorzeitig pensioniert, habe ich noch bis 2001 als selbstständiger Softwareentwickler für Kunden, auch für meinen alten Arbeitgeber, gearbeitet und ihnen mtl. eine Rechnung geschickt. Ab 2001 war ich dann ein zufriedener Rentner. Mit 90 geht natürlich alles etwas langsamer, auch die Erinnerungen. Und in meiner normalen, eher gemächlichen Untätigkeit könnte ich also vermissen : die nie endende Variabilität der verschiedenen Aufgaben, die mir von meinem Arbeitgeber gestellt wurden. Mein Beruf war nie langweilig, zu keiner Zeit, soweit ich mich erinnere. Im Laufe der Jahre kam ich – als Software-Entwickler – zwangsläufig mit vielen verschiedenen Wissens- gebieten und Branchen (wie Buchhaltung, Handel, Statistik, Politik, Zukunftssimulation, Straßenbau, Medizinische Statistiken, Banken- u.a. Timesharing Systeme) in Berührung und musste immer wieder Neues lernen. Das was manchmal zwar stressig, aber auch immer wieder befriedigend, wenn ich mit dem Kunden zusammen die neue Software ausreichend testet hatte, er zufrieden war, und er sich bei mir sogar persönlich bedankte. Zurückdenkend waren besonders interessant natürlich die 3 1/2 Jahre in Kenia in der Firmen-Niederlassung in Nairobi und anschließend 1,5 Jahre in San José, Kalifornien. Wenn ich mir heute die vielen hundert – inzwischen digitalisierten – Fotos aus dieser Zeit auf meinem PC ansehe, die Reisen mit Frau und kleiner Tochter( geb. 1961) in Kenia und USA, kommen die Erinnerungen an diese Zeiten – und das muss reichen.

Habt Dank, ihr Lieben!

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