Nicht nur unter Corona haben wir erkannt, wie wichtig persönliche Unterhaltungen zu einzelnen Themen sind. Weil es aber physisch nicht immer geht, müssen wir uns online unterhalten, so zum Beispiel per Email.
Wir wollen ab jetzt ab und an kurze Statements veröffentlichen, die uns unsere Leserinnen und Leser spenden. Wir fragen, sie antworten spontan. (Nicht unähnlich der Runde, die uns schon zum Thema Sinnlich sein oder werden ihre Ansichten spenden (zu finden unter den Frivolini).) Es geht nicht um Tiefschürfendes, sondern um ein paar Sätze, die uns verraten, wie jemand über eine gewisse Sache denkt. Wir wollen Dankbarkeit zeigen, Freundschaften pflegen und Familienzusammenhalt stärken, indem wir miteinander sprechen. Virtuell oder in echt!
Wir haben uns wieder getroffen – virtuell natürlich. Und dann uns – und die Männerrunde – mit folgender Frage beschäftigt:
Wenn du einen Gegenstand aus deiner Vergangenheit zurückholen könntest, welcher wäre das, warum und was würdest du damit tun?
Ich bin Kerstin, Betriebswirtin und mit Herzblut auch Biologin, Journalistin, Autorin. Mich interessiert alles, was Mensch und Tier am Leben hält – vor allem aber, wie sich die heimische Biodiversität erhalten lässt.

Einen Käfer! Damit ist ausnahmsweise kein Tier gemeint, sondern das Auto in seinem ursprünglichen Design. Was für ein schönes Gefährt und so unverwüstlich. Warum also? Weil er mich stur auch durch Schnee und Eis gebracht hat, ohne vom Weg abzukommen. Weil er Ãußerlichen Charakter hatte (wenn man das von einem Auto sagen darf), einen Wiedererkennungswert. Und keinen digitalen Klimbim brauchte, sondern sich auf das Nötigste konzentrierte. Außerdem war er für (fast) jeden erschwinglich. Was ich damit tun würde? Na, lächelnd und in Erinnerungen schwelgend herumfahren. Gilt alles natürlich nur, wenn er einen nachhaltigen Antrieb hätte und keine fossilen Brennstoffe mehr bräuchte!
Hallo, ich bin Ines. Mit 18 Jahren war ich in der Stuttgarter Kunstakademie, seither bin ich das, was man Freischaffende Künstlerin nennt mit Schwerpunktthema „Mensch“. Froh bin ich über Literatur und glücklich, wenn ich ein schönes Buch in Händen halte

Da man ja in der Regel zuviel Gegenstände hat in unseren Breitengraden, ist das schwierig zu beantworten, denn ich frage mich eher, was ich noch entfernen könnte… Doch wenn ich etwas zurückholen könnte, wären das meine Pfeil-und-Bogen aus der Kindheit. Die habe ich nicht nur selbst geschnitzt, sondern auch mit Schnitzereien verziert. Und das würde ich mir gerne nochmal ansehen. Damals hat man ja noch nicht alles fotografiert, so wie man heute alles knipst, was um einen ist. Ob ich damit nochmal schießen würde, weiß ich nicht. Damals haben wir vor allem in die Weite geschossen und über Häuser, also nicht auf bestimmten Ziele. Das könnte ich natürlich man versuchen, hier auf den Wiesen. Aber vor allem würde ich gerne meine geschnitzten Muster sehen.
Ich heiße Barbara und bin nach der Juristerei auf die Kunst gekommen. Eine Kunst, die zum Nachdenken und Loslassen anregen soll und die ich mit Leidenschaft betreibe.

Bei meiner Vergangenheit denke ich spontan an meine Kindheit. An die Tage draußen, als das Wetter wärmer und freundlicher wurde. Ich würde meine Rollschuhe wieder zurückholen wollen, putzen und damit in eine Werkstätte, die alte Rollschuhe reparieren kann, gehen. Es waren Rollschuhe, die man an seine Straßenschuhe festschnallen musste. Mittels einer Schraube konnte man sie an die Schuhe anpassen. Leider war die Schraube schon etwas ausgeleiert, was zu einem ständigen Nachjustieren führte. Deshalb erstmal in die Werkstatt und dann fahren und fahren….
Ich bin Lea, Altruistin, Misanthropin, halb freiberufliche Texterin und Übersetzerin für Leichte Sprache, halb Geschäftsführerin eines gemeinnützigen Vereins, ohne menschlichen Anhang, dafür wunderbar fest verbunden mit dem unglaublichsten Profiplüschtier der Welt, meiner Blindenführhündin Arzu.

ich hänge nicht sonderlich an Materiellem, deshalb fällt mir kein besonderer Gegenstand ein. Neben dem uns bestimmt Allen bekannten Phänomen, dass wir ein Kleidungsstück oder irgendein anderes Utensil immer genau dann brauchen und vermissen, wenn wir es kurz zuvor wegen „liegt nur rum, habe ich ewig nicht getragen/benutzt“ weitergegeben, weggespendet oder entsorgt haben, hatte ich kürzlich eine wehmütige Erinnerung an zwei kleine Plastiktritthocker, die es in meiner Kindheit im Haushalt meiner Eltern gab. Einer war beige, einer rot, sie waren stapelbar und billig und hatten eine rutschfeste, rauhe Oberfläche. Genau diese Beiden könnte ich jetzt gut gebrauchen, wo meine fast 14jährige Hündin nicht mehr so gut aufs Sofa und Bett springen kann und ich ihr gerne ein bzw. zwei Treppchen bauen würde. So ein billiges Ding irgendwo zu finden, ist offensichtlich komplizierter geworden, als ich gedacht hätte.
Mich kennen Sie natürlich. Ich bin Nessa Altura, die Betreiberin dieses Blogs. Und ich bin diejenige, die hier die Fragen stellt.

Ich bin jemand, der eher ungern – vielleicht sogar sehr ungern! – telefoniert. Deshalb war mir das alte Telefon mit der Wählscheibe ein angenehmes Gerät. Man gebrauchte es nur selten, weil es teuer war und man fasste sich kurz, weil das höflich war. Mit der langen Schnur konnte man auch ein Mindestmaß an Privatheit herstellen. Und der satte Ton, wenn die Wählscheibe zurück in ihre Ausgangsposition rutschte, den habe ich noch im Ohr. Zum Wählen der nächsten Ziffer musste man einen Augenblick Geduld haben, weil die Mechanik da nicht so schnell war. Also noch ein winzig kleiner Aufschub bis zum Erheben der eigenen Stimne…
Tja, natürlich will ich es nicht wirklich zurückhaben, aber ich denke mit einer gewissen Wehmut an das schwarze Ungetüm da draußen im Flur. Es hatte einen Körper, eine Farbe, eine glatte Haut, bewegliche Glieder, einen langen Schwanz, eine charakteristtische Form. Und es lebte.
Habt Dank, ihr Lieben!
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