Die beeindruckendste Frau des letzten Jahres – wer war das? Wir fragen unsere Frauen-Runde

Wir haben uns wieder getroffen – virtuell natürlich. Und uns – und die Männerrunde – mit folgender Frage beschäftigt:

Nessa fragt:

Man weiß ja, dass weibliche Geschichtsschreibung meist nicht interessiert hat oder sogar absichtsvoll unterlassen wurde. Dem wollen wir entgegenwirken, indem wir fragen: Welche Frau hat im vergangenen Jahr einen großen Eindruck bei dir hinterlassen? Und warum?
Schöne Grüße in den sich entfaltenden Januar…Nessa

Die beeindruckendste Frau des letzten Jahres – wer war das?

Ich heiße Barbara und bin nach der Juristerei auf die Kunst gekommen. Eine Kunst, die zum Nachdenken und Loslassen anregen soll und die ich mit Leidenschaft betreibe.

Barbara sagt:

Liebe Nessa,  deine Frage zum vergangenen Jahr ist auf den ersten Blick ausgefallen. Welche Frau hat im vergangenen Jahr einen großen Eindruck bei mir hinterlassen? Ich denke an die unzähligen Frauen, die das vergangene Jahr 2020 meistern mussten. Ein großes Denkmal wird man für sie nicht errichten. Auf den weiteren Blick fällt mir – man glaubt es kaum – dann doch eine Frau ein, die ich nur aus den Medien kenne. Den Namen hatte ich vergessen. Ich musste erst recherchieren. Ob ich sie auf der Straße wieder erkennen würde, weiß ich auch nicht. Es war die Landesvorsitzende der Thüringer Linken Susanne Hennig -Wellsow, die bei der Ministerprädidentenwahl dem FDP Mann Kemmerich zur Beglückwünschung seiner Wahl einen Blumenstrauß vor die Füße warf. Kemmerich  hatte sich mit den Stimmen der CDU und der AFD wählen lassen. Die Haltung diese Frau hat mich schwer beeindruckt.Für mich hat sie ein deutliches Signal für unsere demokratische Gesellschaft gesetzt .  

Die beeindruckendste Frau des letzten Jahres – wer war das?

Ich bin Anne, Mathematikerin und Lebenskünstlerin aus Passion mit einem Technikfaible und ewiger, grenzenloser Neugierde.

Anne sagt:

Als Frau des Jahres hab ich  Margarethe Vestager gewählt.Sie ist nun EU Kommissarin für das Thema Wettbewerb und leider nicht EU Präsidentin geworden. Das scheiterte unter Anderem an den Visegrád Staaten. Sie fällt mir immer wieder als durchsetzungsstark auf und gibt dem Projekt Europa ein Gesicht und Kontur. Ich wünschte mir mehr solche Politiker in der EU und auch in den Ländern.
Viele liebe Grüße von Anne

Die beeindruckendste Frau des letzten Jahres – wer war das?

Mit 18 Jahren war ich in der Stuttgarter Kunstakademie, seither bin ich das, was man Freischaffende Künstlerin nennt mit Schwerpunktthema „Mensch“. Froh bin ich über Literatur und glücklich, wenn ich ein schönes Buch in Händen halte.

Maria Kolesnikowa! Sie hätte weiter in Stuttgart bleiben können als Musikpädagogin und Flötistin – letzteres zumindest wieder nach der Pandemie -statt dessen reist sie in ihr Heimatland Belarus und führt zusammen mit zwei weiteren Frauen die Opposition an.Anfang September 2020 wurde sie festgenommen und „verschwand“. Möglicherweise hätte sie ausreisen können,aber sie will Belarus nicht freiwillig verlassen, obwohl sie fließend Deutsch spricht und ohne weiteres zurück in ihr Stuttgarter Leben gehen könnte.Den Menschenrechtspreis der Baum-Stiftung wird im Februar wohl ihre Schwester entgegennehmen.Theoretisch beim Stuttgarter Festival ECLAT. Ob ihr die Kunst so viel Kraft für Veränderung gibt, wissen wir nicht. Ich wünsche ihr nur, dass sie irgendwann wieder die Möglichkeit haben wird, in Freiheit ihre Kunst auszuüben.

Die beeindruckendste Frau des letzten Jahres – wer war das?

Ich bin Lea, Altruistin, Misanthropin, halb freiberufliche Texterin und Übersetzerin für Leichte Sprache, halb Geschäftsführerin eines gemeinnützigen Vereins, ohne menschlichen Anhang, dafür wunderbar fest verbunden mit dem unglaublichsten Profiplüschtier der Welt, meiner Blindenführhündin Arzu.

Einen Eindruck hat ja vermutlich bei uns allen im Jahr 2020 die
erschreckende Renaissance von Verschwörungsmythen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hinterlassen. In diesem Kontext steht auch die Frau, die ich als Antwort auf Nessas Frage nennen möchte. Es handelt sich um die Sozialpsychologin Pia Lamberty, die als Doktorandin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz  zu Verschwörungsglauben und -gläubigen forscht.

Zusammen mit Katharina Nocun veröffentlichte sie 2020 das spannende und hochaktuelle Sachbuch “Fake Facts – Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen”. Darin geben die Beiden auch Tipps zum Umgang damit, wenn Menschen aus dem eigenen Umfeld in Verschwörungsnarrative abdriften. Regelmäßig diskutiert Pia Lamberty im Video- bzw. Podcastformat “Ferngespräch” mit Tommy Krappweis, den Macher*innen des Hoaxilla-Podcasts und weiteren sehr interessanten und kenntnisreichen Menschen aus dem Umfeld der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) und anderen Skeptiker*innen. Dabei geht es oft um die diversen Corona-Verschwörungs-narrative, aber auch um vieles Andere aus dem grenzenlosen Feld der unwissenschaftlichen bis wissenschaftsfeindlichen Esoterik und des magischen Denkens. Sowohl das Buch als auch den Podcast kann ich nur empfehlen, Pia habe ich fast ein bisschen willkürlich herausgegriffen, denn auch die anderen Beteiligten sind klasse.
Erst durch Wikipedia wurde mir klar, dass sie zeitgleich mit mir an der
RWTH Aachen studiert hat – ich kenne sie trotzdem nicht persönlich, was
sehr schade ist.

Wikipedia zu Pia Lamberty:
https://de.wikipedia.org/wiki/Pia_Lamberty

Die GWUP:
https://blog.gwup.net/

Hoaxilla:
https://www.hoaxilla.com/

Das Ferngespräch als Podcast (läuft hier unter WildMics-Special):
https://www.hoaxilla.com/episoden/
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Die beeindruckendste Frau des letzten Jahres – wer war das?

Mich kennen Sie natürlich. Ich bin Nessa Altura, die Betreiberin dieses Blogs. Und ich bin diejenige, die hier die Fragen stellt.

Das war gar nicht so leicht zu beantworten. Es gibt natürlich eine Vielzahl von Frauen, die es verdienten, hier genannt zu werden. Ich habe mir 41jährige Jacinda Ardern herausgesucht. Sie ist die Regierungschefin in Neuseeeland. Nicht, dass ich über neuseeländische Politik Bescheid wüsste, aber mir haben folgende Dinge an ihr gefallen:

  • sie hat im Amt ein Kind bekommen und es vielfach mitgenommen und nicht etwa versteckt
  • sie führt in einem doch eher konservativen Land die dortige Labourparty an
  • sie hat kühle Gelassenheit bewahrt, als 2019 der bösartige Anschlag von Christchurch geschah, und hat sofort das Waffenrecht verschärft
  • es ist ihr gelungen, Empathie zu zeigen und zwar glaubwürdig
  • sie hat die Coronakrise gut gemanagt
  • sie steht einem diversen Kabinett vor, was es auf der Welt noch recht selten gibt
  • sie traut sich den schwierigen Job der Regierungschefin und Premierministerin zu und wirft nicht gleich bei jedem Fehler das Handtuch
  • sie geht mutig (ohne Angst davor, sich lächerlich zu machen) ganz neue Wege, zB mit ihrem Well-Being-Budget – einem Versuch, psychischen Krankheiten beizukommen

Wahrscheinlich hat Ardern auch ihre dunklen Seiten, das will ich gar nicht ausschließen. Aber das, was unsere Medien von ihr erzählen, beeindruckt mich.

Vielen Dank für eure Antworten, ihr Lieben.

Nessa

Bild(er) von unsplash (*) oder wikimedia commons (**) oder selbst geschossen (***) oder auch vom useum (****). Danke vielmals!

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