Fridays for Future: Divestment

Immer mal wieder Freitags wollen wir uns hier Gedanken zum Thema machen. Der Klimawandel – was bedeutet er für uns in Deutschland? Was können wir tun, um die Folgen zu mildern? Die Politik ist zaghaft, wagt es nicht, ihre Bürgerinnen und Bürger wirklich zu fordern. Alles soll unmerklich geschehen….

Merken werden wir es aber später. Und zwar deutlich. Wir müssen unser konsumorientiertes Leben ändern. Wir sollten nicht glauben, dass wir untätig bleiben können, nur weil die Politik sich so verhält. Es ist wie mit der Krankenkasse: Was sie nicht im Katalog hat hat und bezahlt, das tun wir nicht für uns und unseren Körper. So zu denken heißt Verantwortung abzuschieben.

Richtig ist vielmehr: Wir können selber tun, was wir für angebracht halten. Auch ohne Anordnung und Vorschrift. (Manchmal allerdings besser mit.)

Hier sollen Dinge, die wir selber tun können, genannt werden. Genauso wie Dinge, die nur ein Staat anordnen kann. Im fröhlichen Wechsel… die Klimakrise ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass wir alle Register ziehen müssen.

Bisher haben wir über Sedum-Busstops geschrieben, über Extra-Fahrspuren gesprochen und über eine Helikopter Taskforce gegen Waldbrände, gerne auch europäisch organisiert. Die jetzt auftretenden Waldbrände am Amazonas lassen uns noch raumgreifender über Brandschutz international nachdenken. Und danach gab es Überlegungen zur Bienen-Pflege und zu Suchmaschinen. Und Flaschen.
Und Klamotten. Und Tempolimits. Und einen der vielen notwendigen Plexits, Und zu dem lästigen Einschweißen der Plastikpost sowie zur einfachen Praxis des Mitfahrerbänkchens oder die Pflege des Erdbodens, und die Lebensmittel und die saubere Luft in unseren Städten, in Bezug auf Luftfilter und Stadtgrün sowie grüne Logistik.
Die Frage ist aufgetaucht, wer sich da eigentlich so gegen die Klimaprognosen sperrt. Und was man gegen das Insektensterben tun kann. Und was wir in dieser Sache im Jahr 2019 erreicht haben. Wir haben uns damit beschäftigt, was die Schiffahrt – Fracht und Personenschifffahrt – tun könnte und müsste und wie man Flüge, wenn schon nicht vermeiden, so doch kompensieren kann und was das Klima für unsere Gesundheit bedeuten könnte. Danach haben wir einen Gastbeitag zum Thema Divestment und zur Windkraft und zum Leben im Digitalen und zu Chancen für die Wirtschaft gepostet.

Fridays for Future: Divestment

Heute hat uns Lea Heuser von Kommunikatz mit einem Beitrag erfreut. Er ist zustande gekommen im Rahmen des Blogwichtelns, von wir schon berichtet hatten.

Fridays for Future: Divestment

Deutschland ist weiter denn je davon entfernt, seine selbstgesteckten
Klimaziele zu erreichen. Da hilft auch nicht das großspurig angekündigte
und dann als Klimapäckchen gelandete Gesetzespaket der Bundesregierung
oder der fröhlich immer weiter verwässerte Plan zum Kohleausstieg. Mit
über 84,5% ist die Verbrennung fossiler Energieträger laut
Umweltbundesamt die größte Quelle von Treibhausgasemissionen. Um das 2015 in Paris geschlossene Klimaabkommen einzuhalten, müssten dementsprechend alle Kohlekraftwerke Deutschlands innerhalb der nächsten 10 Jahre vom Netz gehen. Und all das hat viel mehr mit Geld zu tun, als sich auf den ersten Blick erschließt.

Fridays for Future: Geld regiert die Welt

Den Fossilien unter den Stromkonzernen, also den großen Playern wie RWE und LEAG, die in NRW und Brandenburg die dreckigsten und ältesten
Braunkohletagebaue und -kraftwerke betreiben, muss der gesellschaftliche
Rückhalt entzogen werden. Und wie signalisieren wir Aktiengesellschaften
am besten schwindenden Rückhalt? Nicht nur, indem wir unseren Strom eben woanders kaufen, sondern auch, indem wir unser Geld nicht in ihren
Aktien anlegen.

Nun haben vermutlich die Wenigsten von uns ihr Geld in einem Haufen
Aktien stecken. Aber auch die Banken, wo wir unser Geld auf Giro- oder
Tagesgeldkonten, Sparbüchern oder Depots liegen haben, spekulieren
oftmals mit Aktien oder stecken unser Geld in Fonds, die ihrerseits
wieder auf allen möglichen Beteiligungen an Konzernen beruhen. Hier kann

Fridays for Future: Was können wir tun?

Jede und jeder Einzelne durch die Wahl einer ethischen und ökologischen
Bank bereits viel tun. Banken, die aus fossilen Energien divestiert
haben, also kein Geld in entsprechende Fonds und Unternehmen stecken,
sind laut dem Ratgeber von Utopia die GLS, Triodos und die Ethikbank.

Aber auch die Städte, in denen wir leben, die Versicherungen, mit denen
wir Verträge machen oder die Universitäten, an denen wir studieren,
lehren oder arbeiten, investieren ihr Geld in Aktien. Auf diese großen
Akteurinnen und Akteure einzuwirken und sie zum Divestment zu bewegen, ist eine Möglichkeit des Engagements. Kaum eine Kommune beispielsweise im Ruhrgebiet und im Dreieck zwischen Aachen, Köln und Mönchengladbach besitzt keine Aktien des Stromkonzerns RWE, der den gesamten Braunkohleabbau und zahlreiche Kraftwerke im Rheinischen Revier betreibt. NRW-Kommunen sitzen daher unmittelbar an der Wurzel des Problems – und damit auch nicht weit entfernt von der Lösung.


Fridays for Future: Auch Kommunen reagieren schon


Zahlreiche Kommunen bundesweit haben in den letzten Jahren divestiert,
also ihre Investitionen in RWE und andere Kohle-, Öl und Gas-Unternehmen
veräußert, um dem fossilen Sektor die finanzielle Unterstützung zu
entziehen. Zu dieser Form von Protest gegen das Verheizen fossiler
Energien ruft seit 2016 die weltweit agierende Klimaschutzorganisation
350.org mit ihren vielen Fossil Free Lokalgruppen auf. Der Kampagne
folgten Münster, Berlin, Göttingen, Leipzig, Oldenburg, Freiburg und
Stuttgart (mit Ausnahme von Gas). Den bisher stärksten
Divestment-Beschluss inklusive ethisch-ökologischer Investitionskriterien für zukünftige Geldanlagen fasste Bremen. Auch im Land Baden-Würtemberg fiel ein Beschluss zum Divestment, der jedoch noch nicht komplett umgesetzt wurde. Der Landkreis Osnabrück, die Städteregion Aachen und Bochum kündigten an, RWE-Aktien zu verkaufen, haben das bisher aber nur teilweise getan.

Danke, Lea, für diesen schönen und umfangreichen Artikel! (*)

Andrerseits:

Obwohl mehrmals in Folge keine Dividende ausgezahlt wurde, der
Aktienkurs zeitweise auf nur noch 12% des Wertes von 2008 fiel und sich
die Bewertungen durch die großen Rating-Agenturen seit 15 Jahren immer
weiter verschlechtert haben, bleiben zahlreiche NRW-Kommunen der RWE AG noch immer treu. Vielen Kommunen wurden die Unternehmens-beteiligungen vor langer Zeit sogar vom Konzern geschenkt – da bleibt die Politik gerne loyal. Durch die immer größere gesellschaftliche Ächtung fossiler Energien und die steigenden Abgaben für die Konzerne wird fossile Stromerzeugung zwar immer weniger lukrativ und die Unternehmen werden in absehbarer Zeit zwangsläufig davon Abstand nehmen müssen. Dennoch hat es Sinn, auch weitere große Player zum Aktienverkauf zu motivieren, denn der Kohleausstieg muss dringend beschleunigt werden.

Fridays for Future: Divestment tut not

Trotz seiner wirtschaftlichen Talfahrt träumte RWE noch vor Kurzem
davon, die nach CO2-Ausstoß pro erzeugter Kilowattstunde
klimaschädlichste Art der Stromerzeugung noch weit in die Zukunft zu
verlängern, sogar mit Kraftwerksneubauten und der Erweiterung von
Tagebauen. Die ineffizienteste und ihrem baldigen Ende geweihte Form der
Energieversorgung würde so bis ins Letzte ausgereizt. Dafür lässt der
Konzern noch immer Wälder roden, Menschen enteignen und Dörfer
umsiedeln, während die Abgase der Kraftwerke nicht nur durch CO2 das
Weltklima zerstören, sondern auch durch Feinstaub, Quecksilber und
andere Gifte die Luft des Rheinlandes verpesten.

Der mit diesem Beitrag verbundene Aufruf ist daher klar: Jede*r von uns
kann sich eine ethisch und ökologisch agierende Bank suchen, Jede*r kann
Gruppen oder Kampagnen unterstützen, die für kommunales, universitäres
oder wo auch immer stattfindendes Divestment streiten. Je mehr Städte
den Klimanotstand ausrufen, desto mehr Ansatzpunkte für
Divestmentaufrufe gibt es gegenüber diesen Akteur*innen. Solange wir im
Kapitalismus leben, ist Geld immer ein Mittel, Druck und Einfluss
auszuüben, so sehr es uns auch widerstreben mag. Wir müssen die Konzerne da treffen, wo es ihnen am meisten wehtut, und das ist in der Regel da, wo es um den dicken Reibach geht.

Danke, Lea, für diesen Beitrag!

Bild(er) von unsplash (*) oder wikimedia commons (**) oder selbst geschossen (***), danke!

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