Gab es einen Schutzengel für dich? Wir fragen unsere Frauenrunde

Wir haben uns wieder getroffen – virtuell natürlich. Und uns – und die Männerrunde – mit folgender Frage beschäftigt:

Nessa fragt:

Wenn du einen bestimmten Moment aus deinem Leben nennen müsstest, in dem du davon überzeugt warst, dass ein Schutzengel dich behütet hat: wann wäre das gewesen?

Ich bin Anne, Mathematikerin und Lebenskünstlerin aus Passion mit einem Technikfaible und ewiger, grenzenloser Neugierde.

Anne sagt:

Jetzt sitz ich hier und zittere und staune, dass ich noch lebe. Es war 2005 oder 6.

Ich hatte für die Centrale Termoelettrica di Piacenza für die Maschinengeneratoren ein Hochfrequenzanalyse System projektiert. So ein System enthält sieben Messstellen, die an der Hochspannung potentialfrei elektrische Impulse messen sollen. Ich fahr also nach Piacenza in das Kraftwerk, um die letzten Anschlüsse zu installieren, zu testen und die Operatoren zu schulen. 
Bin mit meinem Unterlieferanten Christian beim Leittechnikschrank in der Warte. Die sieben Leitungen mitsamt den Steckern müssen noch angeschlossen werden. Sie hängen wie ein Blumenstrauß aus dem Schrank. Selbstverständlich haben wir Sicherheitsschuhe an. Christian nimmt das Kabelbündel und schüttelt es. Die Stecker sprühen Funken. Wir erschrecken sehr, das dürfte nicht sein!! Christian versucht die Spannung zu messen, aber das Messgerät ist für die hohe Spannung nicht ausgelegt. Wir verbarrikadieren alles und stellen Schilder Vorsicht Hochspannung ! auf.
Dann versuchen wir rauszubekommen, was geschehen ist.  Ich schlafe 48 Stunden nicht… bis ich die Ursache gefunden hab. Der Generator war schon mit dem Stromnetz testhalber synchronisiert. Was nie und nimmer hätte sein dürfen. Es waren 15750 Volt Spannung auf den Steckern meines Systems!!! Alle Messstellen sind kaputt.
Es war ein grosses Glück, dass weder Christian noch ich noch sonst jemand die Stecker berührt hat… das hätte keiner überlebt.
Dann bestell ich neue Messstellen und die Inbetriebsetzung geht von vorne los. Beim nächsten Besuch in Piacenza…
Da waren mehrere Schutzengel beteiligt,  würde sagen unzählig viele. Übrigens: Es kommen bei jedem Bau eines Grosskraftwerks Menschen ums Leben. Aber uns hat es diesmal nicht getroffen.

Anne


Mit 18 Jahren war ich in der Stuttgarter Kunstakademie, seither bin ich das, was man Freischaffende Künstlerin nennt mit Schwerpunktthema „Mensch“. Froh bin ich über Literatur und glücklich, wenn ich ein schönes Buch in Händen halte.

Wenn du einen bestimmten Moment aus deinem Leben nennen müsstest, in dem du davon überzeugt warst, dass ein Schutzengel dich behütet hat: wann wäre das gewesen?

Das ist eine Frage des Glaubens.
Und da  frage ich mich, wie das wäre bei einem Unglück, in dem viele Menschen involviert sind. Einige überleben es, andere überleben verletzt und einigen passiert nichts. Haben diese einen Schutzengel und die anderen nicht? Oder waren deren Engel gerade nicht da?
Ich denke, dass einem in gefährlichen Situationen Fähigkeiten und Kräfte zuwachsen, die man sonst nicht hat. So ist mir das einmal als Kind geschehen.
Manchmal helfen einem auch tatsächlich Mitmenschen.
Ansonsten nenne ich es einfach Glück, wenn mir nichts passiert ist.


Ich bin Lea, Altruistin, Misanthropin, halb freiberufliche Texterin und Übersetzerin für Leichte Sprache, halb Geschäftsführerin eines gemeinnützigen Vereins, ohne menschlichen Anhang, dafür wunderbar fest verbunden mit dem unglaublichsten Profiplüschtier der Welt, meiner Blindenführhündin Arzu.

Wenn du einen bestimmten Moment aus deinem Leben nennen müsstest, in dem du davon überzeugt warst, dass ein Schutzengel dich behütet hat: wann wäre das gewesen?

Liebe Nessa,

bei mir ist es nicht so spektakulär. Eigentlich war mein erster Impuls,
dass ich so eine Situation überhaupt noch nie erlebt habe. Aber dann
fiel mir Folgende ein:
Ich war mit meiner Blindenführhündin Arzu mit der Bahn unterwegs von
einem Seminar nach Hause. Wir waren noch nicht sehr lange ein Gespann,
also noch nicht optimal aufeinander eingespielt, außerdem war es schon
relativ spät am Abend. Ich fuhr mit irgendeinem Regionalexpress, um in
Düsseldorf in den RE4 nach Aachen umzusteigen. Der Zug war voll und
meine Konzentration am Ende. Ich hörte nur etwas von “Nächster Halt
Düsseldorf” und wurstelte Arzu, mich und meinen großen Rucksack durch
das übliche Gewusel in Richtung Tür, da ich ja wusste, dass diese Züge
nicht besonders lange stehenbleiben. Also schnell raus aus dem Gewühl –
und ich landete auf einem gänzlich leeren und ausgestorben wirkenden
Bahnsteig. Die Tür schloss, der Zug rollte an und mir dämmerte, dass ich
eine Station zu Früh, nämlich am Düsseldorfer Flughafen ausgestiegen
war. Nach etwa 20 Minuten, die ich mich von Arzu den Bahnsteig auf und
ab führen ließ, in der Hoffnung, irgendwen zu finden oder von irgendwem
gesehen zu werden, trat dann der Schutzengel in Person einer
Bahnmitarbeiterin auf den Plan. Sie hatte Feierabend und wollte den
letzten “sic!” Zug nach Düsseldorf Hbf nehmen, der dann zum Glück auch
bald kam. Da wir meiner Erinnerung nach den Bahnsteig wechseln mussten,
um diesen Zug zu erwischen, hätte ich das ohne sie orientierungsmäßig
niemals hinbekommen und hätte die Nacht alleine mit Arzu auf einem
kalten Bahnsteig verbringen müssen – so kam ich spät aber wohlbehalten
nach Hause und in mein eigenes Bett.

An Schutzengel glaube ich trotzdem nicht 🙂

liebe Grüße

Lea


Ich heiße Barbara und bin nach der Juristerei auf die Kunst gekommen. Eine Kunst, die zum Nachdenken und Loslassen anregen soll und die ich mit Leidenschaft betreibe.

Barbara sagt:

Wenn du einen bestimmten Moment aus deinem Leben nennen müsstest, in dem du davon überzeugt warst, dass ein Schutzengel dich behütet hat: wann wäre das gewesen?

Liebe Nessa,  

behütet durch einen Schutzengel, eigentlich mein ganzes Leben. Auch wenn es bei genauerer Betrachtung manchmal nicht so scheinen mag.   Er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Diesen Satz aus Psalm 99,11 haben meine Eltern bei ihrer Hochzeit gewählt. Wir Kinder haben ihn gewählt, als unsere Mutter starb. Auf all meinen Wegen fühle ich mich behütet, auch wenn mir das nicht immer bewusst wird. Nach Momenten, wie beispielsweise als auf der Autobahnbaustelle vor mir plötzlich ein Laster aus der rechten in die linke Spur ausschert, oder wie ich – durch einen Virus ausgelöst -wiederholt bewußtlos umfalle. Oder mit einem fast erfrorenen Zeh – da erfahre ich das Behütetsein natürlich besonders deutlich.  

Liebe behütete Grüße     Barbara


Ich bin Eva und habe einst Jura studiert und schreibe heute für Brot und die Kunst. Damit verhelfe ich Anwaltskanzleien zu erfolgreichem Marketing und meinen Blog- und Buchleserinnen hoffentlich zu dem einen oder andern Aha-Erlebnis.

Wenn du einen bestimmten Moment aus deinem Leben nennen müsstest, in dem du davon überzeugt warst, dass ein Schutzengel dich behütet hat: wann wäre das gewesen?

Liebe Nessa,

als ich ca. 14 war, machte mein bergverrückter Vater mit mir eine Skitour, obgleich es schneite und Lawinen nicht auszuschließen waren. Ich glaube, es war irgendwo in der Nähe von Davos, also schon recht hoch. Wir mussten auf dem Weg zu unserer Hütte einen Pass überqueren und jenseits des Passes sah man im dicken Nebel und Schneetreiben keinen Weg mehr. Wir begannen abzusteigen und fanden es ziemlich steil. So steil, dass mein Vater sagte, „lass uns wieder hoch zum Pass gehen“. Ich vermute, dass ihn hier der Schutzengel das erste Mal angestupst hat. Was der Schutzengel, aber wir nicht wussten, war, dass das, was wir für einen Abstieg gehalten hatten, ein Rinne war, die in einem Felsabbruch mündete.

Wir stiegen mühselig wieder auf, kalte Hände, Sichtweise 5 Meter. Oben erwartete uns der Schutzengel zum zweiten Mal. In Gestalt eines raubautzigen Schweizer Bergführers mit einigen weiteren Menschen. Er fuhr uns an, was wir in der Rinne gesucht hätten. Und dann ordnete er an, dass wir mit ihm mitkommen sollten. „Damit ihr sicher heimkommt.“ Sein Ziel war zwar nicht unsere Hütte, sondern eine andere, aber mein Vater widersprach nicht. Als wir fast bei der Hütte waren, war der Schutzengel ein drittes Mal zugegen. Direkt vor uns löste sich ein Schneebrett und rutschte den Hang runter. Es glitt bergab und wir staunten.  


Mich kennen Sie natürlich. Ich bin Nessa Altura, die Betreiberin dieses Blogs. Und ich bin diejenige, die hier die Fragen stellt.

Wenn du einen bestimmten Moment aus deinem Leben nennen müsstest, in dem du davon überzeugt warst, dass ein Schutzengel dich behütet hat: wann wäre das gewesen?

Hui, das sind ja alptraumhafte Erlebnisse, die da hinter euch liegen. Dinge, die man ganz sicher nie vergisst.

Mein einschneidendstes Erlebnis war eine Reise auf einer kleinen altertümlichen Yacht (ohne Radar) durch den Pazifik, angeheuert als abenteuerlustige “helping hand” – ohne größere Seglerkunde. Wir gerieten in Sturm und Not, verloren die Ortung und gelangten ans Ende unserer Lebensmittelvorräte. Als wir nach Tagen größter Angst, größten Hungers und tatsächlicher Verzweiflung Land sahen (an andrer Stelle als vermutet), zog die Hand eines Schutzengels unser Boot in den Hafen einer kleinen polynesischen Insel. Da wäre ich am liebsten wie der Papst auf die Knie gefallen.

Vielen Dank für eure offenen und ehrlichen Antworten, ihr Lieben!

Nessa

Bild(er) von unsplash (*) oder wikimedia commons (**) oder selbst geschossen (***) oder auch vom useum (****). Danke vielmals!

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