Was bedeutet Corona für dich? Wir fragen unsere Männer-Runde

Unsere neue Runde: Männer!

Unsere Frauenrunde kennen Sie ja. Sie soll Sie unterhalten; und zwar mit Ansichten zu Themen, die vielleicht auch Sie gerade beschäftigen.

Nicht nur unter Corona haben wir erkannt, wie wichtig persönliche Unterhaltungen zu einzelnen Themen sind. Weil es aber physisch nicht immer geht, müssen wir uns online unterhalten, so zum Beispiel per eMail.

Wir wollen ab jetzt ab und an kurze Statements veröffentlichen, die uns unsere Leserinnen und Leser spenden. Wir fragen, sie antworten spontan. (Nicht unähnlich der Runde, die uns schon zum Thema Sinnlich sein oder werden ihre Ansichten spenden (zu finden unter den Frivolini).) Es geht nicht um Tiefschürfendes, sondern um ein paar Sätze, die uns verraten, wie jemand über eine gewisse Sache denkt.

Jetzt haben wir auch eine Männerrunde eingerichtet, die wir hier bereits vorgestellt haben.

Nessa fragt: Corona hat uns ja alle zum Nachdenken gebracht.

Was vermisst du, von dem du vorher nicht gedacht hättest, dass du es vermissen würdest?

Durch die Einschränkungen fehlen vielen Menschen ganz alltägliche und selbstverständliche Dinge, die sie sonst vielleicht sogar nerven. Das kann der ungeliebte Arbeitsweg sein, der Verwandtschaftsbesuch oder sogar das fade Kantinenessen, weil einem das Zusammensitzen mit den Kollegen fehlt.

Und andersrum: Was fehlt dir überraschenderweise gar nicht?

Hier ist Otto aus dem Schwarzwald:

Ich bin Otto. Pensionierter Kardiologe, leidenschaftlicher Fliegenfischer, Schwammerlsucher und Hobbykoch.

Ich vermisse, dass ich nichts vermisse! Anders formuliert: Mir wird klar, dass ich eigentlich alles um mich herum habe, was ich brauche und möchte. Die Freuden der Zufriedenheiten!

Es fehlt mir an nix!

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Hier ist Roman aus Singapur:

Ich bin Roman, frischgebackener Vater, Produktmanager in Software und interessiert an allem Digitalem. Zur Zeit im fernen Singapur ansässig.

Vermissen:
Echtes Alleinsein. Zeit für mich. Ich dachte, dass ich mich hin und wieder in eine ruhige Ecke zurückziehen könnte, auch wenn meine Frau und kleine Tochter immer im Haus sind. Aber das ist nicht das Gleiche. Echtes Alleinsein geht nur, wenn man sich nicht sehen kann selbst wenn man sich plötzlich sehen wollte.


Nicht vermissen:
Einkaufen. Nicht lachen. Der Lebensmitteleinkauf ist fast schon ein Hobby, das ich mit meiner Frau teile. Wir können Stunden in Lebensmittelgeschäften verbringen. Wir machen unseren Speiseplan dort, lassen uns inspirieren, jagen Schnäppchen und vergleichen Nährwerttabellen.
Jetzt bestellen wir praktisch nur noch online. Das geht hier in Singapur auch hervorragend. Das Land ist so klein, dass Lieferungen schnell und günstig sind. Und wie bei den Läden vor Ort gibt es verschiedene Shops, vom Supermarkt über Gemüsehändler bis hin zu Feinkostgeschäft. Das physische Einkaufen ist plötzlich ein lästiger Gedanke.

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Hier ist Michael aus Berlin und Zürich:

Ich bin Michael, promovierter Chemiker, aber schon seit über 20 Jahren in Zulassungsabteilungen verschiedener Pharma-Firmen. Als (ehemaliger) Forscher, bin ich immer noch extrem neugierig und lerne gerne jeden Tag etwas Neues dazu.

Was vermisst du, von dem du vorher nicht gedacht hättest, dass du es vermissen würdest?

Komischerweise fehlte mir am meisten, dass man nicht einfach unbeschwert (im Supermarkt) einkaufen gehen konnte. Für mich ist das ungeheuer entspannend. Ich kann dabei vom vielen Stress hervorragend abschalten. Aber ins Fussball-Stadion zu gehen, fehlt mir auch.

Und andersrum: Was fehlt dir überraschenderweise gar nicht?

Das einzige, was mir hierzu einfällt, ist, dass ich mich eigentlich immer auf die Fussball-EM oder -WM im Sommer gefreut habe und es überhaupt nicht vermisse, dass die EM dieses Jahr nicht stattfindet. Sonst gibt es eigentlich nichts, wo ich vorher vermutet hätte, dass ich es vermisse würde, es dann aber anders gekommen ist. Das Pendeln zwischen Berlin und Zürich (per Flieger) fehlt mir tatsächlich wirklich. Da denken vermutlich viele anders.

Hier ist Norbert aus Sindelfingen:

Ich bin Norbert, Volkswirt, Wanderer zwischen den Welten, von Politik, Verwaltung bis Wirtschaft, und Asien, Afrika bis Schwarzwald.

Was vermisst du, von dem du vorher nicht gedacht hättest, dass du es vermissen würdest?

Ich vermisste am meisten die Schule für die Kinder und Lehrer, die die Pädagogik übernehmen. Das Zusenden von Aufgabenblätter an die Eltern am Montag mit Abgabedatum Freitag, über alle Fächer hinweg, war ein wöchentlicher Krisenfall für uns und unsere Kinder.

Und andersrum: Was fehlt dir überraschenderweise gar nicht?

Der viele Verkehr, die Staus und die mit Autos überfüllte Stadt.

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Und hier ist Rolf aus Böblingen:

Ich bin Rolf. Nach Uni-Studium (BWL, Mathe) beruflich als Software-Entwickler in D’land, Ostafrika, USA gearbeitet. Nach dem Beruf wieder ernsthaft Gitarre gespielt, die Welt bereist und in Künstlervereinigungen aktiv mitgearbeitet.

  1.  Was vermisst du, von dem du vorher nicht gedacht hättest, dass du es vermisst?

Spontan fiel mir dazu gar nichts ein.  Ich vermisse ja normaler Weise nichts, was in meinem Alter noch wichtig sein könnte – – Jetzt nach fast vier Monaten Pandemie-Ausnahmezustand und zwei stornierten Urlaubsreisen kann ich sagen, ich vermisse mehr die Selbstverständlichkeit, mit der ich früher Freunde und Bekannte überall treffen konnte.  Eine persönliche Begegnung oder der Besuch einer Veranstaltung oder eines Restaurants bedarf jetzt sorgfältiger Vorbereitung ( inkl. Gesichtsmaske). Dass es so hart kommen würde, war am Anfang kaum vorherzusehen, ab Ende April allerdings schon.

2.    Was fehlt dir überraschender Weise gar nicht?

Wie gesagt, ich vermisse normalerweise nichts und hatte auch nicht erwartet, dass ich demnächst etwas vermissen könnte. Ich habe – bis jetzt – nichts verloren, das ich als Verlust empfinden würde. Das Wichtigste, meine Frau, alle Freunde und Bekannten leben noch und eine Sehnsucht nach materiellen Dingen ist im Alter auch sehr begrenzt – jedenfalls wenn die Rente sicher ist.

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Herzlichen Dank, ihr Lieben. Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass der Leidensdruck, den Corona ausgeübt hat, aushaltbar war.

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7 responses

  1. Ein bißchen schockiert bin ich schon von den Antworten der Männerrunde.
    So richtig nachhaltig beeindruckt von dieser eigenartigen Zeit waren die Wenigsten.

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