Portugiesischer Bilderbogen, Teil I

Wie versprochen lasse ich Sie ein bisschen mitreisen … nach

Portugal

Allerdings müssen Sie sich dazu aufs Rad schwingen und ein wenig sportlich treten – sechs Wochen sind wir in Portugal kreuz und quer gefahren, um Land und Leute kennenzulernen. Vom Nordosten  über das Estrela Gebirge nach Lissabon. Danach über den Alentejo im Südosten des Landes hinunter an die Algarve. Von da an den Westzipfel nach Sagres und dann am Meer entlang hinauf zur Tejomündung und via Cascais und Sintra nach Porto. Und per Auto zurück und via Tavira über die Grenze nach Spanien.

Was natürlich überall, aber zunächst in Lissabon, ins Auge fällt, ist die liebevolle Art, mit dem Bodenplaster Kreativität auszuleben. Es gibt zig Muster und auf dem Foto sehen Sie, wie viel Mühe man auf sich nimmt, um es nicht zu stören! Die teilweise umstrittene, weil unbequeme Calcada Portuguesa ist wirklich sehenswert.

Auch Privatleute lassen sich das Pflaster-Unikat vor ihrer Haustüre etwas kosten.

Lissabon ist ja ein In-Spot neuerdings und deshalb kann man sich vorstellen, wie wuselig und touristisch es in den steilen Straßen und Gassen zugeht. Schön und schaurig zugleich ist an dieser Stadt, dass das Erdbeben von 1755 so viele Baudenkmäler vernichtet hat, dass es heute nicht mehr so furchtbar viele „Sehenswürdigkeiten“ gibt. Man kann also getrost ein bisschen langsamer tun mit dem Besichtigen… wie wärs mit einem Blick über die Stadt von einem der berühmten alten Aufzüge?

Lissabon bei Tag vom Aufzugfenster aus und bei Nacht durch die Straßenbahnfensterscheibe. Beides wunderhübsch old school.

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind großartig: Bus, U-Bahn , Straßenbahn und Zug – alles klappt mit hoher Frequenz.

Schon bald sehnt man sich nach all dem Pflaster ins Grüne und da kann man, wunderbarerweise, an vielen Stellen in der Stadt fündig werden. Herzerfrischend so ein Tauchgang in den Park – vom Gulbenkian Museum, zum Beispiel.

Auf dem Lande – im bäuerlichen Alentejo – sieht es dann gleich ganz anders aus. Die meisten Städtchen sind so aufgebaut wie Castel Branco auf der obigen Azulejo-Kunst-Kachel: Alte Maurenburg auf der Stadtkrone, mittelalterliches Städtchen den Hang hinunter, Mauer drum, Tore hinein – fertig. Also eigentlich nicht anders als bei uns. Interessant, dass die islamische Maurenherrschaft heute ganz entspannt gesehen wird (und sogar in Festivals gefeiert wird), dass die christlichen Ritter die Burgen glatt übernahmen und die Moschee schlicht zur Kirche umfunktionierten, und dass die bei uns üblichen Neustadtwucherungen mit ihren Einfamilienhäuschen nicht (oder noch nicht) dominieren.

Die Städtchen haben einen eigentümlichen Reiz und jedes besitzt – ich mochte ganz besonders Serpa – eine Eigentümlichkeit . Manche umrahmen ihre Türen und Fenster in der gleichen Farbe (hier gelb, manchmal blau, in Serpa weiß und grau), manche pflegen und erhalten ihre jahrhundertealten Türen, manche pflanzen einheitliche Blumen, eine andere dekoriert alle Häuser mit großflächigen alten Fotografien der ansässigen Familien.

Diese Stadt, ich glaube, es war Beja, hat sich zum Beispiel für eine extravagante Beschattungsmethode entschieden…

Natürlich ist jetzt ein Satz zur portugiesischen Küche (hier: gegrillte Chocos = Tintenfisch) fällig: Sie ist angenehm, ländlich, mit viel, viel Fisch (immer köstlich zubereitet, meist gegrillt) und wenig Fleisch, aber Salat und Kartoffeln. Alles auch zur halben Dose, was heißt: einer kleineren Portion – sehr angenehm! Das Gemüse wird in englischer Manier serviert (also ohne Gewürze und meist zu weich gekocht) und man isst es mit einer Ladung Öl und Essig darüber. Ausnahmslos alle Weine waren gut und kalt, vom Bier mochte ich den Superbok am liebsten. Restaurants und Cafés gibt es allüberall, was für den Radfahrer natürlich ein absolut wichtiges Detail ist.

Die Landschaft des Alentejo ist von Korkeichen geprägt, die alle zehn Jahre abgeschält werden können. Es kann sehr sehr heiß werden dort – wir haben es erlebt! Vermutlich deshalb gibt es nicht so viel Vieh wie erwartet.

Wenn die Korkeichen vergehen, wird oft Eukalyptus nachgepflanzt, weil er schnell wächst und anspruchslos ist. Aber eben auch leicht brennbar – Wir haben uns in der Hitze Glut auch immer wieder vor Waldbränden gefürchtet, die durch die beständig wehenden Winde schnell große Entfernungen überwinden können.

Und dann endlich das, was Portugal (auch) ausmacht: Das Meer. Der Atlantik. Ein echter Ozean. Mit Wellen so groß und stark und kalt, dass man sich tatsächlich fürchten kann:

Es gibt viel zu sehen überall: Museen, Burgen, glorreiche Stadthäuser, Kirchen voller (in Brasilien gerafftes) Gold. Erstaunlich ist, dass die Tatsache der Eroberungs-Entdeckung, Unterwerfung, Versklavung und Ausraubung der überseeischen Gebiete (fast) nirgends thematisiert wird (doch: in Lagos gibt es ein kleines Sklaverei-Museum!); fast überall aber wird des – viertgeborenen und deshalb nicht regierenden – Königssohns Dom Henrique, der die Lust an der entdeckenden und in-Besitz-nehmenden Seefahrt im Lande ausgelöst hat, gedacht:

Der einzige, poetisch verbrämte Protest ließ sich in Lagos finden, wo der Künstler dem legendären König Sebastiao ein Denkmal gewidmet hat:

Da steht er, der Kindkönig, der Portugal nahezu ins Verderben gestürzt hat, mit seinem Astronautenhelm, der vielleicht die Afrikanische Königskrone darstellen soll, die der naive Herrscher zusammen mit 18.000 Soldaten und 500 Segelschiffen (von denen möglicherweise nur 60 Menschen und Null Schiffe wiederkehrten) in Marokko erringen wollte. 1578 war das.

Die Westküste und mit ihr der wunderbare Fishermans Trail überrascht mit liebenswürdigen Dörfern und gewaltigen Einsamkeiten. Menschen müssen nicht sein, wohl aber Leuchttürme, die den Seefahrern draußen die rauhe Küste ein wenig ungefährlicher machen.

…to be continued

>Alle unsere Angebote auf einen Blick!

Wir haben versprochen, Sie auf unsere Reisen ein wenig mitzunehmen. So waren wir bereits in Brasilien, Korsika (Bilderbogen), New York (Teil I und Teil II), in Taiwan, in Portugal (Teil I und /Teil II), Südkorea (I), Südkorea(II), Singapur (Teil I und Teil II und Teil III), in Japan (Bilderbogen), in der Normandie, in Marokko, im Rems- und Neckartal, und im Allgäu und am Meer. Und in Berlin, das natürlich auch. Und die schönsten Buchläden der Welt gibt es auch.

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