Sachbuch Empfehlungen. Jeden Monat neu!

Sachbuch Empfehlungen

Sachbuch des Monats: Nachdem wir über eine lange Zeit hinweg Anthologien besprochen haben, widmen wir uns seit dem Jahresbeginn 2020 den Sachbüchern, die uns gefallen haben.

Sachbücher sind Bücher, die sich mit non-fiction befassen – also mit Sujets, die nicht erfunden sind.

Sachbuch des Monats März 2021: Sprache und Sein. Von Kübra Gümüsay

Kübra Gümüsay ist keine Unbekannte – sie hat sich einen Namen gemacht als Sprachkundige, Journalistin und Frauenrechtlerin. In ihrem neuen Buch untersucht sie die Sprache an sich: Wo sie herkommt, was sie bedeutet, was sie auslöst und wie sie wirkt.

Das rund 200seitige Buch – immerhin in der Spiegel Bestsellerliste geführt! – zeigt uns kurzweilig und in schöner ausgeruhter, poetischer Sprache durch die unterschiedlichsten Betrachtungsweisen, durch deren “Fenster” man Sprache untersuchen kann: Als Fremdsprache zum Beispiel kann sie uns in den unterschiedlichen Sprachräumen unterschiedliche Sichtweisen offerieren. Ein schönes Beispiel dafür ist Yakamoz, ein Glanz, ein Schimmer, den nur der- oder diejenige aktiv wahrnimmt, wenn sie oder er das Wort kennt. Dinge werden existent – dadurch, dass sie benannt werden. Auch darum geht es nicht zuletzt in der derzeitigen Identitätsdebatte.

Yakamoz = der Schimmer des Mondes über dem Meer

Als Vertreter*in einer Minderheit kann man Sprache ganz anders erfahren als es die Mehrheit tut: Man wird immer wieder erleben müssen, als pars pro toto herzuhalten – wenn man sich dieser gewaltigen Verantwortung bewusst wird, kann man jegliche Unbefangenheit verlieren. So sind die Türken! denkt dann manch Deutscher, so sind die Afghanen, so sind die Moslems eben! Und das arme Gegenüber bekommt das ganze schwere Paket auf die Schultern geladen.

“Die Emanzipation der Gutmenschen” auf der re:publica (#rp17) in Berlin. Foto: re:publica/Jan Zappner

Die Autorin spricht vom Preis, den zu bezahlen eine öffentliche Person bereit sein muss, über Hassmails und Anfeindungen, über die Agenda der Rechten und den Absolutheitsglauben. In ihrem letzten Kapitel skizziert sie, wie ein neues Sprechen aussehen könnte. Was bedeutet eine “plurale und paritätische Gesellschaft” wirklich? Wie könnte sie kommunizieren?

Interessant, nachzulesen was Kübra Gümüsay dazu zu sagen hat. Leseempfehleung! 18,-€ bei Hanser Berlin.

Mehr zur Wortwahl, die prekär werden kann, kann man im Chrismon Poscast nachhören: 20 Minuten für die Untersuchung eines bestimmten Wortes. Zum Beispiel das Wort : exotisch. Was bedeutet das für eine afrodeutsche (yorubastämmige) Frau? “Sprachstunde” heißt das Konzept – wir dürfen neugierig sein.



Sachbuch des Monats Februar 2021: Die beste Zeit für guten Stil von Susanne Ackstaller

Susanne Ackstaller kenne ich seit vielen Jahren. Sie ist die Gründerin des genialen Netzwerks für wortstarke Frauen, des Texttreff. Sie betreibt den sehr lesenswerten Blog Texterella, den wir hier schon empfohlen haben. Dort hat sie ihren typischen Susi-Ackstaller-Sound entwickelt, der auch ihr erstes Buch prägt:

Die beste Zeit für guten Stil. Fashion for Women. Not Girls.

Hier sieht frau schon: Englisch und Deutsch fröhlich gemixt… das ist typisch für die Autorin: undogmatisch, unprätentiös, optimistisch, frech und auch ein kleines bisschen provokant schaut sie in die Welt und nimmt uns mit auf ihre modischen Ausflüge. Da gibt es schicke Outfits, dezente Outfits, kuriose Outfits, schrille Outfits … alles ist möglich, was gefällt. Oh, nicht allen gefällt, aber genau das ist doch das Ziel: Wer everybody’s darling sein will, bleibt am Ende niemandem in Erinnerung.

In Interviews und Porträts erzählen außerdem elf inspirierende und stilbewusste Frauen, wie Kleidung ihre Persönlichkeit unterstreicht, wie sich ihr Modebewusstsein verändert hat und was sie Frauen ab 50 in puncto Mode mit auf den Weg geben würden. Die beste Zeit für guten Stil ist ein motivierender Guide, der alle Frauen darin bestärkt, ihren eigenen (Mode-) Weg zu gehen. Und:

Die beste Zeit dafür ist nicht irgendwann, sondern genau jetzt!
Susi Ackstaller beim Genießen (Knesebeck)

Martina Klein hat die Fotos von den Ladys und Susi Ackstaller gemacht:

Martina Klein beim Fotogrfieren (Knesebeck)

Und Veronika Gruhl hat illustriert. Ein wunderhübsches Buch ist das geworden, Mit einem Flexicover und Klappen und 176 Seiten, für 25,-€ im Knesebeck-Verlag. Ein tolles Geschenkbuch für alle Frauen, denen ihr Äußeres nicht egal ist…



Sachbuch des Monats Januar 2021: Gastfreundschaft von Priya Basil

Priya Basil ist eine junge Frau, die als Inderin in Kenia aufgewachsen ist, später nach London zog und nun seit zehn Jahren in Berlin zu Hause ist. Sie hat eine Grossmutter, die wunderbar kochen konnte, aber nie ein Rezept verriet…und Priya isst gerne, sehr gerne. Wie schön, dass ihr eigener Nachname ein schmackhaftes Gewürz bezeichnet: Basil ist englisch und bedeutet Basilikum. Dies – neben vielem anderen – hat sie dazu bewegt, ein philosophisches Büchlein über die

Gastfreundschaft

zu schreiben.

Sie erläutert, wie die alten Griechen Xenia, die Gastfreundschaft, lehrten und mit Regeln versahen, weil sie glaubten, dass die Götter sich manchmal unter die Menschen mischten und keine Gastfreundschaft schlimme Folgen haben konnte. Und wie wir heute in Deutschland (und auch damals in Kenia) unsere Kinder lehren, dass Fremden erst mal nicht zu trauen ist. Interessant auch, dass das englische Wort hospitality heute oft im Zusammenhang mit industry genannt wird: die hospitality industry. Sprich, die traditionell geldlose Gastfreundschaft ist heute ein kostenbewusstes Dienstleitungsgewerbe geworden.

beim Autorenwelt Shop für 14,- € zu haben

Die Autorin untersucht vielerlei Aspekte des Kochens, Rezeptierens, Anbietens und Einladens und lässt so nebenbei auch kleine politische Exkursionen in die komplexe Welt von heute zu. Hier beantwortet sie selbst ein paar Fragen zum Thema:

Und hier gibt es einen Text und ein Interview mit Priya im Deutschlandfunk.

Viel Vergnügen mit dem Büchlein aus der Insel Bibliothek. Übrigens ein wunderbares Gastgeschenk!!!

Die Sachbuch Empfehlungen von 2020 und 2021

Kluge Köpfe sind immer gefragt (***)

Und hier die Sachbücher, die andere empfohlen haben:


Und geht es zu den Anthologien, mit denen wir uns zuvor beschäftigt haben:

Eine Auswahl der Anthologien (***)

Die Anthologien:

Wir haben uns vorgenommen, jeden Monat eine Anthologie zu empfehlen – Bücher, die Kurzgeschichten verschiedener Autorinnen und Autoren enthalten, sind zwar beliebt, aber eben auch schnell wieder von der Bildfläche verschwunden. An dieser Stelle besprochen haben wir bereits Diagnose Mord (Mord & Medizin) im buchvolkverlag, Fremdsein (Zuwanderung und Flucht) im Eigenverlag einer Schweizer Journalistin, Suche Trödel, finde Leiche (Krimi & Dachboden) im KBV-Verlag, Der Zwölfelf  (sanfter Grusel) im Eigenverlag des Autorenexpress,  Mondäne Morde im Solibro-Verlag, die Tödliche Kehrwoche im Theiss-Verlag , Fürchtet Euch nicht im Ullstein Verlag,  Tatort Berg aus dem Vertigo-Verlag, sowie die Gefängnis-Anthologie Gesiebte Luft aus dem Silberburg Verlag, die Sammlung historischer Kriminalfälle Henker, Huren, Mordgesellen aus dem Wellhöfer Verlag und Die Stunde des Vaters aus dem Verlag Ulmer Manuskripte sowie das Mördchen für Örtchen aus dem KBV-Verlag und das Westfälisches Mordkomplott aus dem Leda Verlag. Dann hatten wir den Tatort Bayern aus dem Grafit Verlag im Programm und danach Bitte mit Schuss, eine Berlin-Sammlung. Im Monat September 2018 stellten wir Wilde Vögel fliegen vor, im Oktober Pizza, Pasta & Pistolen. Im November war es aus dem buchvolk Verlag Mordssachsen und im letzten Monat des Jahres 2018 die Anthologie Nur Bachus war Zeuge.
Im Jahr 2019 haben wir im Januar die kecke, im Ariadne Verlag erschienene Sammlung Tödlichs Blechle vorgestellt und im Februar Mord ist die beste Medizin. Danach kam Tatort München aus dem Vertigo Verlag und Mehr Morde am Hellweg im Grafit Verlag. Danach Grenzfälle im Gmeiner Verlag und Blumenpracht und Mordidyll im Topp+Müller Verlag und Verdächtige Freunde im Scherz-Verlag.

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