Sachbuch Empfehlungen. Jeden Monat neu!

Sachbuch Empfehlungen

Sachbuch des Monats: Nachdem wir über eine lange Zeit hinweg Anthologien besprochen haben, widmen wir uns seit dem Jahresbeginn 2020 den Sachbüchern, die uns gefallen haben.


Sachbücher sind Bücher, die sich mit non-fiction befassen – also mit Sujets, die nicht erfunden sind.

Sachbuch des Monats Mai 2021: Väter und Töchter. Von Susann Sitzler

Es ist unglaublich, was die Journalistin und Sachbuchautorin Susann Sitzler da zusammengetragen hat über Väter und Töchter. So vieles in diesem gewichtigen Buch kommt einem bekannt vor, wenn man gegen Mitte des letzten Jahrhunderts geboren wurde. Fairerweise müsste man die Väter in zwei Gruppen teilen :

die Väter von früher

und

die Väter von heute.

Womöglich gilt dies auch für die Töchter?

Susann Sitzler hat keine Mühe gescheut, der Frage auf den Grund zu gehen, was diese Beziehung eigentlich für eine ist: eine tiefe, eine befrachtete, eine oberflächliche, eine die Zukunft bestimmende? Sicher ist jedenfalls, dass das Verhältnis zum Vater später auch seinen Einfluss auf die Partnerwahl haben wird, wenn der Partner ein männlicher ist. Vielleicht aber auch im anderen Fall?

Susann Sitzler ist ein sehr freimütiges und offenes Buch gelungen. Sie scheut sich nicht, tief in ihrer eigenen Vergangenheit nachzugraben und fündig zu werden mit Erkenntnissen über den ersten, den biologischen Vater, und den zweiten, den Stiefvater. Herzzerreißend sind manche Erinnerungen, die der Tochter zuerst einfallen, wenn sie an ihren ersten Vater denkt – zumeist negative Emotionen, die traurigerweise viel fester sitzen als die positiven Wie zum Beispiel das kleine Mädchen, das eben mit dem Ballett-Unterricht begonnen hat, vor einem Schaufenster mit tülligen Tutus steht, voller Sehnsucht und voller zarter Ballerina-Träume. Solch ein Röckchen wünscht sie sich zum Geburtstag und der Vater weiß nichts besseres zu antworten als auf ihren allzu gesunden Kinder-Appetit anzuspielen. Das saß. Und wird bis ans Lebensende sitzen bleiben.

Kühn auch, wie sie Männer aus ihrem eigenen privaten Umfeld zum Thema Prostitution befragt und deren Antworten kaum herunterschlucken kann – so sehr entsprechen diese dem Klischee und so sehr verraten sie, dass Männer über solche Frauen-Schicksale keine Sekunde nachdenken.

Ich denke, die Väter von heute, die care-Väter sind, die ihren Töchtern ebenso nahe sind wie die Mütter, hätten ganz und gar anders geantwortet. Die Welt entwickelt sich weiter!

Ein lesenswertes Buch, wenn Sie männlich sind und Töchter haben. Immer daran denken, dass die Frauen, die im Leben weit gekommen sind und sich selbst viel zutrauen (Beispiele im Buch!), den Wind unter ihren Flügeln oftmals von den Vätern bekommen haben.

Und auch lesenswert für Töchter aus dem vergangenen Jahrhundert, die ganz sicher viele der beschriebenen Erfahrungen teilen. Und vielleicht bis heute darunter leiden.

Mehr dazu im SpiegelOnline.

Für 20 € im Autorenweltshop schnell zu bestellen.



Sachbuch des Monats April 2021: Die 1% Methode. Von James Clear.

Schon seit Längerem habe ich den Newsletter von James Clear in meinem Mailfach. Er schickt mir da jede Woche schlaue Sprüche und mehr:

  • 3 Ideen von ihm
  • 3 kluge Zitate
  • 3 Fragen

Nicht immer, aber oft lese ich das mit Gewinn. Nun habe ich sein berühmtes Atomic-Habits-Sachbuch gelesen:

Die 1% Methode,

so heißt es auf Deutsch.

Im Autorenweltshop kostet es 13,-€, ist also absolut erschwinglich. Man kann tatsächlich sein Leben verbessern, indem man mikroskopisch kleine Änderungen vornimmt. Wie das geht, beschreibt Clear haarklein. Nur so viel sei jetzt hier gesagt:

Die Änderung muss attraktiv sein. Das Nicht-Befolgen muss mühsamer sein als das Tun. Es muss eine Weile lang durchgehalten werden. Es muss belohnt werden. Und kontrolliert, abgehakt.

Alles Dinge, die nicht neu sind, aber clever gebündelt und unterfüttert durch wissenschaftliche Ergebnisse und farbige Fallbeispiele. Sehr überzeugt hat mich zum Beispiel dieses: Ein hoher Prozentsatz der US-Soldaten, die in Vietnam Dienst taten, waren drogenabhängig. Wenn Drogenabhängige Entziehungskuren machen, werden immer sehr, sehr viele rückfällig, d.h. die Erfolgsquote ist erschreckend niedrig. Die Soldaten aber, zurückgekehrt in ihre Heimatorte, hatten eine hohe Heilungsquote und wurden nicht oder selten rückfällig. Warum? Man muss es nachlesen, um es zu verstehen- stark verkürzt: Für die Rückkehrer war der schnelle Griff zur Droge nicht mehr so einfach wie in Asien. Die Freunde animierten nicht dazu. Die Sozialkontrolle in der Heimat war hoch.

Alles klar. Und was lernen wir daraus? Das Handy zum Daddeln darf nicht griffbereit auf dem Schreibtisch liegen, sondern muss in einer weit entfernten Schublade aufbewahrt werden… wenn man es zwei Stunden nicht angefasst hat, darf man eine Tasse Kaffee trinken. Man muss die Menschen um einen herum einweihen in die neue Strategie, damit man unter die – ja, gewiss, auch lästige – Sozialkontrolle kommt.

Einfach, nicht wahr? Altbekannt auch. Aber dennoch – das Buch lohnt sich. Meine zwei – nicht so ganz kleinen (!) – Änderungswünsche habe ich schon auf die Schiene gesetzt: mehr Ingwertee trinken während des konzentrierten Bürovormittags. Und weniger Alkohol trinken während des gemütlichen Feier-Abends. Die Belohnung?

Wird hier nicht verraten. Kaufen Sie das Buch.



Sachbuch des Monats März 2021: Sprache und Sein. Von Kübra Gümüsay

Kübra Gümüsay ist keine Unbekannte – sie hat sich einen Namen gemacht als Sprachkundige, Journalistin und Frauenrechtlerin. In ihrem neuen Buch untersucht sie die Sprache an sich: Wo sie herkommt, was sie bedeutet, was sie auslöst und wie sie wirkt.

Das rund 200seitige Buch – immerhin in der Spiegel Bestsellerliste geführt! – zeigt uns kurzweilig und in schöner ausgeruhter, poetischer Sprache durch die unterschiedlichsten Betrachtungsweisen, durch deren “Fenster” man Sprache untersuchen kann: Als Fremdsprache zum Beispiel kann sie uns in den unterschiedlichen Sprachräumen unterschiedliche Sichtweisen offerieren. Ein schönes Beispiel dafür ist Yakamoz, ein Glanz, ein Schimmer, den nur der- oder diejenige aktiv wahrnimmt, wenn sie oder er das Wort kennt. Dinge werden existent – dadurch, dass sie benannt werden. Auch darum geht es nicht zuletzt in der derzeitigen Identitätsdebatte.

Yakamoz = der Schimmer des Mondes über dem Meer

Als Vertreter*in einer Minderheit kann man Sprache ganz anders erfahren als es die Mehrheit tut: Man wird immer wieder erleben müssen, als pars pro toto herzuhalten – wenn man sich dieser gewaltigen Verantwortung bewusst wird, kann man jegliche Unbefangenheit verlieren. So sind die Türken! denkt dann manch Deutscher, so sind die Afghanen, so sind die Moslems eben! Und das arme Gegenüber bekommt das ganze schwere Paket auf die Schultern geladen.

“Die Emanzipation der Gutmenschen” auf der re:publica (#rp17) in Berlin. Foto: re:publica/Jan Zappner

Die Autorin spricht vom Preis, den zu bezahlen eine öffentliche Person bereit sein muss, über Hassmails und Anfeindungen, über die Agenda der Rechten und den Absolutheitsglauben. In ihrem letzten Kapitel skizziert sie, wie ein neues Sprechen aussehen könnte. Was bedeutet eine “plurale und paritätische Gesellschaft” wirklich? Wie könnte sie kommunizieren?

Interessant, nachzulesen was Kübra Gümüsay dazu zu sagen hat. Leseempfehleung! 18,-€ bei Hanser Berlin.

Mehr zur Wortwahl, die prekär werden kann, kann man im Chrismon Poscast nachhören: 20 Minuten für die Untersuchung eines bestimmten Wortes. Zum Beispiel das Wort : exotisch. Was bedeutet das für eine afrodeutsche (yorubastämmige) Frau? “Sprachstunde” heißt das Konzept – wir dürfen neugierig sein.



Sachbuch des Monats Februar 2021: Die beste Zeit für guten Stil von Susanne Ackstaller

Susanne Ackstaller kenne ich seit vielen Jahren. Sie ist die Gründerin des genialen Netzwerks für wortstarke Frauen, des Texttreff. Sie betreibt den sehr lesenswerten Blog Texterella, den wir hier schon empfohlen haben. Dort hat sie ihren typischen Susi-Ackstaller-Sound entwickelt, der auch ihr erstes Buch prägt:

Die beste Zeit für guten Stil. Fashion for Women. Not Girls.

Hier sieht frau schon: Englisch und Deutsch fröhlich gemixt… das ist typisch für die Autorin: undogmatisch, unprätentiös, optimistisch, frech und auch ein kleines bisschen provokant schaut sie in die Welt und nimmt uns mit auf ihre modischen Ausflüge. Da gibt es schicke Outfits, dezente Outfits, kuriose Outfits, schrille Outfits … alles ist möglich, was gefällt. Oh, nicht allen gefällt, aber genau das ist doch das Ziel: Wer everybody’s darling sein will, bleibt am Ende niemandem in Erinnerung.

In Interviews und Porträts erzählen außerdem elf inspirierende und stilbewusste Frauen, wie Kleidung ihre Persönlichkeit unterstreicht, wie sich ihr Modebewusstsein verändert hat und was sie Frauen ab 50 in puncto Mode mit auf den Weg geben würden. Die beste Zeit für guten Stil ist ein motivierender Guide, der alle Frauen darin bestärkt, ihren eigenen (Mode-) Weg zu gehen. Und:

Die beste Zeit dafür ist nicht irgendwann, sondern genau jetzt!
Susi Ackstaller beim Genießen (Knesebeck)

Martina Klein hat die Fotos von den Ladys und Susi Ackstaller gemacht:

Martina Klein beim Fotogrfieren (Knesebeck)

Und Veronika Gruhl hat illustriert. Ein wunderhübsches Buch ist das geworden, Mit einem Flexicover und Klappen und 176 Seiten, für 25,-€ im Knesebeck-Verlag. Ein tolles Geschenkbuch für alle Frauen, denen ihr Äußeres nicht egal ist…



Sachbuch des Monats Januar 2021: Gastfreundschaft von Priya Basil

Priya Basil ist eine junge Frau, die als Inderin in Kenia aufgewachsen ist, später nach London zog und nun seit zehn Jahren in Berlin zu Hause ist. Sie hat eine Grossmutter, die wunderbar kochen konnte, aber nie ein Rezept verriet…und Priya isst gerne, sehr gerne. Wie schön, dass ihr eigener Nachname ein schmackhaftes Gewürz bezeichnet: Basil ist englisch und bedeutet Basilikum. Dies – neben vielem anderen – hat sie dazu bewegt, ein philosophisches Büchlein über die

Gastfreundschaft

zu schreiben.

Sie erläutert, wie die alten Griechen Xenia, die Gastfreundschaft, lehrten und mit Regeln versahen, weil sie glaubten, dass die Götter sich manchmal unter die Menschen mischten und keine Gastfreundschaft schlimme Folgen haben konnte. Und wie wir heute in Deutschland (und auch damals in Kenia) unsere Kinder lehren, dass Fremden erst mal nicht zu trauen ist. Interessant auch, dass das englische Wort hospitality heute oft im Zusammenhang mit industry genannt wird: die hospitality industry. Sprich, die traditionell geldlose Gastfreundschaft ist heute ein kostenbewusstes Dienstleitungsgewerbe geworden.

beim Autorenwelt Shop für 14,- € zu haben

Die Autorin untersucht vielerlei Aspekte des Kochens, Rezeptierens, Anbietens und Einladens und lässt so nebenbei auch kleine politische Exkursionen in die komplexe Welt von heute zu. Hier beantwortet sie selbst ein paar Fragen zum Thema:

Und hier gibt es einen Text und ein Interview mit Priya im Deutschlandfunk.

Viel Vergnügen mit dem Büchlein aus der Insel Bibliothek. Übrigens ein wunderbares Gastgeschenk!!!

Die Sachbuch Empfehlungen von 2020 und 2021

Kluge Köpfe sind immer gefragt (***)

Und hier die Sachbücher, die andere empfohlen haben:


Und geht es zu den Anthologien, mit denen wir uns zuvor beschäftigt haben:

Eine Auswahl der Anthologien (***)

Die Anthologien:

Wir haben uns vorgenommen, jeden Monat eine Anthologie zu empfehlen – Bücher, die Kurzgeschichten verschiedener Autorinnen und Autoren enthalten, sind zwar beliebt, aber eben auch schnell wieder von der Bildfläche verschwunden. An dieser Stelle besprochen haben wir bereits Diagnose Mord (Mord & Medizin) im buchvolkverlag, Fremdsein (Zuwanderung und Flucht) im Eigenverlag einer Schweizer Journalistin, Suche Trödel, finde Leiche (Krimi & Dachboden) im KBV-Verlag, Der Zwölfelf  (sanfter Grusel) im Eigenverlag des Autorenexpress,  Mondäne Morde im Solibro-Verlag, die Tödliche Kehrwoche im Theiss-Verlag , Fürchtet Euch nicht im Ullstein Verlag,  Tatort Berg aus dem Vertigo-Verlag, sowie die Gefängnis-Anthologie Gesiebte Luft aus dem Silberburg Verlag, die Sammlung historischer Kriminalfälle Henker, Huren, Mordgesellen aus dem Wellhöfer Verlag und Die Stunde des Vaters aus dem Verlag Ulmer Manuskripte sowie das Mördchen für Örtchen aus dem KBV-Verlag und das Westfälisches Mordkomplott aus dem Leda Verlag. Dann hatten wir den Tatort Bayern aus dem Grafit Verlag im Programm und danach Bitte mit Schuss, eine Berlin-Sammlung. Im Monat September 2018 stellten wir Wilde Vögel fliegen vor, im Oktober Pizza, Pasta & Pistolen. Im November war es aus dem buchvolk Verlag Mordssachsen und im letzten Monat des Jahres 2018 die Anthologie Nur Bachus war Zeuge.
Im Jahr 2019 haben wir im Januar die kecke, im Ariadne Verlag erschienene Sammlung Tödlichs Blechle vorgestellt und im Februar Mord ist die beste Medizin. Danach kam Tatort München aus dem Vertigo Verlag und Mehr Morde am Hellweg im Grafit Verlag. Danach Grenzfälle im Gmeiner Verlag und Blumenpracht und Mordidyll im Topp+Müller Verlag und Verdächtige Freunde im Scherz-Verlag.

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